Der Mindestkurs zum Euro war «von Anfang an eine Schnapsidee», meint der Ex-UBS-Chef Oswald Grübel als Kolumnist der «Schweiz am Sonntag». Der Financier Martin Ebner hält die Aufhebung der Euro-Aufweichung für «unausweichlich», der Zürcher Finanzprofessor Matrin Janssen plädiert für einen langsamen Ausstieg, der frühere Chefökonom der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Kurt Schiltknecht, empfiehlt eine Senkung des Mindestkurses von 1,20 auf 1,10 Franken. Ebenso der frühere Mentor von SNB-Präsident Thomas Jordan, der Berner Ökonom Ernst Baltensperger.

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. «Die Euro-Krise ist zurück», «das Polit-Chaos in Griechenland heizt die Flucht in den Franken an», «die Verteidigung des Mindestkurses von 1,20 wird schwieriger» lauteteten die Schlagzeilen der «Handelszeitung» vom April bis Juni 2012. Sie können heute unverändert rezykliert werden, genauso wie die Kritik an der Nationalbankd. Oskar Grübel forderte schon damals die Aufgabe des Mindestkurses. Politiker und Professoren warnten vor grossen Verlusten für die SNB.

Währungsreserven von 495 Millionen Franken

Die Wiederholdung hat ihre Logik. Jedes Aufflackern der Euro-Krise treibt Anleger in den Franken und setzt die Nationalbank unter Zugzwang. Ende letzten Jahres musste sie erneut am Devisenmarkt intervenieren und Euro kaufen, um den Mindestkurs zu verteidigen. Ihre Währungsreserven sind mittlerweile auf 495 Milliarden Franken angestiegen, 45 Prozent davon sind Anlagen in Euro.

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Die SNB versucht mit ihrer Politik zu verhindern, dass es zu einer Deflation kommt, einem allgemein sinken Preisniveau mit entsprechenden Folgeschäden. Gleichzeitig will sie verhindern, dass ein zu starkes und schnelles Ansteigen des Frankenkurses die Exportwirtschaft in den Ruin treibt.

Flutwellen rollen auf die SNB zu

Auf die Ursache des Problems, die Euro-Krise, hat die Nationalbank jedoch keinen Einfluss. Die Geschichte könnte sich deshalb noch öfter wiederholen. Bis jetzt hält der Damm der Nationalbank. In den nächsten Monaten kommen jedoch weitere Flutwellen auf sie zu. Welche Herausforderungen der SNB bevorstehen, sehen Sie in der Bildergalerie.

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