Lastwagen sind das Rückgrat der Versorgung moderner Industriestaaten, aber noch viel mehr in Schwellen- und Entwicklungsländern. Gerade in Letzteren ist das Nutzfahrzeug praktisch das einzige überall einsetzbare Transportmittel. In diesen Ländern besteht deshalb ein zunehmender Bedarf an preiswerten Lastwagen, die zugleich technisch weniger aufwendig konzipiert sein müssen als in modernen Industriestaaten.

Nachfrage steigt rasant

Die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen wird in den kommenden fünf Jahren nach Ansicht der global agierenden Unternehmensberatungsfirma Frost & Sullivan rasant zunehmen. Weltweit dürften in fünf Jahren jährlich rund 3,2 Millionen preiswerter Lastwagen – sogenannte Low-Cost Trucks – produziert werden. Frost & Sullivan geht davon aus, dass 2016 rund 30 preisgünstige Nutzfahrzeugmodelle von globalen Herstellern im Markt eingeführt werden. Antrieb, Chassis, Sicherheit und Komfort sowie andere marketingbezogene Kosten werden in Zukunft die entscheidenden Faktoren für die Kostenreduktion sein, um preisgünstige Lastwagen fertigen zu können.

Der Boom nach Low-Cost-Lastwagen wird anfänglich vor allem durch die Nachfrage in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) angetrieben. Die wachsende Nachfrage nach kosteneffizienten Nutzfahrzeugen in einem Umfeld, welches durch zunehmende Verstädterung, schwankende Energiepreise und die Volatilität der Wirtschaft allgemein gekennzeichnet ist, zwingt die Nutzfahrzeughersteller und die Zulieferindustrie weltweit dazu, in diesem neuen Segment Präsenz zu markieren.

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Um in die globalen Märkte einzusteigen, haben asiatische Hersteller Plattformen für Low-Cost-Lastwagen entwickelt, die den Bedürfnissen der lokalen Märkte flexibel angepasst werden können. Die nordamerikanischen und europäischen Hersteller haben diesen Trend ebenfalls zur Kenntnis genommen, sie sind sich durchaus der Chancen bewusst, die sich durch eine Beteiligung am globalen Markt für Low-Cost Trucks ergeben. Endverbraucher wollen allerdings nicht bloss billige Lastwagen, sondern zusätzlich solche, die dazu beitragen, die Gesamtbetriebskosten zu reduzieren. Dies hat Auswirkungen auf die Konstruktion solcher Fahrzeuge.

Wie baut man günstiger?

Die meisten grossen Hersteller schaffen entweder neue Plattformen oder neue Fahrzeugtypen, um billige Fahrzeuge realisieren zu können. Diese Fahrzeuge werden im Rahmen aggressiver Design-to-Cost-Strategien mit innovativen Technologien sowie optimierten Systemen und Komponenten ausgestattet sein. Allerdings dürfte es eher schwieriger werden, den Low-Cost-Vorteil zu erhalten, da strengere Vorschriften, eine zunehmende Nachfrage nach verringertem Wartungsaufwand, relativ geringe Gewinnmargen und steigende Lohnkosten die Marktteilnehmer vor neue Herausforderungen stellen.

Teilnehmer aus den entwickelten Märkten sollten nach Ansicht von Frost & Sullivan verstärkt nach zusätzlichen Partnerschaften mit Herstellern in aufstrebenden Märkten Ausschau halten. Als strategische Antwort sollten Marktteilnehmer in Nordamerika und in Europa in Betracht ziehen, neue Fahrzeugtypen und gut differenzierte Produktplattformen zu schaffen. Angestrebt werden sollen zudem eine Diversifizierung der Zulieferer und die vertikale Integration von Systemen und Komponenten, die attraktive Kosteneinsparungen ermöglichen. «Decontenting- und Design-to-Cost-Ansätze werden den Herstellern bei der Schaffung von weltweiten Plattformen für Low-Cost-LKW helfen, die angestrebte Preisreduzierung auch zu erreichen», schreibt die Studie.
«Der Wettbewerb wird sich in diesem bereits extrem wettbewerbsintensiven weltweiten Low-Cost-LKW-Markt noch verstärken. Die Marktteilnehmer müssen daher nach Kostenreduzierung durch Partnerschaften, Fertigung in Billigländern und nach Ausbildung von starken Beziehungen zwischen Herstellern und Zulieferern streben», wird in der Studie festgehalten. Zusätzlich zur Kosteneinsparung im Bereich der Herstellung sollten sich die Hersteller auch darauf konzentrieren, die Marketingkosten und die Kosten im Bereich Verkauf zu verringern. Dies sollte in der Kombination mit der Schaffung von globalen harmonisierten und standardisierten Plattformen Marktteilnehmer in die Lage versetzen, schneller zu wachsen als ihre Konkurrenten, heisst es weiter.

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