Im vergangenen Oktober wurde der USB-Stick mit einem speziellen Programm zum Löschen von Daten in den Computer eines Managers der Bank of Cyprus gesteckt. Nach wenigen Minuten waren 28'000 Dateien verschwunden - darunter viele Emails genau aus der Zeit, in der das Institut Milliarden in die Anleihen aus Athen investierte.

Der Vorgang kam ans Licht, als Ermittler die fraglichen Daten für einen offiziellen Bericht zum Zusammenbruch des Bankensystems auswerten wollten. Die griechischen Anleihen verloren im Rahmen des EU-Rettungspakets den Großteil ihres Wertes und sind deshalb ein entscheidendes Kapitel in der gegenwärtigen Misere Zyperns.

Wachsende Verluste wettmachen

Auch erboste Zyprer wollen wissen, warum die Bank of Cyprus mit ihren Einlagen auf ein Überleben Athens spekulierte, während andere Institute in weiser Voraussicht bereits die Flucht antraten. Die Nachrichtenagentur Reuters erhielt einen Einblick in den vertraulichen Bericht der Beratungsfirma Alvarez & Marsal, der - auch wegen des USB-Sticks - keine eindeutige Erklärung für das fatale Verhalten der Bank zutage förderte.

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Dem Bericht zufolge wollte die Bank of Cyprus offenbar mit riskanten griechischen Schuldenpapieren wachsende Verluste wettmachen, die ihr aus dem Anstieg fauler Kredite entstanden. Einige Manager weihten jedoch möglicherweise den Verwaltungsrat nicht in diese gewagte Strategie ein, verheimlichten die entstehenden Verluste durch Buchungstricks und verzögerten später womöglich eine Untersuchung.

«Macht korrumpiert»

So erklärten Bank-Manager etwa im Dezember 2009 den Medien und dem Verwaltungsrat, dass die griechischen Anleihen fast alle verkauft seien. Dass die Bank schon wenige Tage darauf wieder Milliarden in die Papiere investierte, wurde dagegen nie publik. Der Bericht beklagt zudem eine Firmenkultur, in der Management-Entscheidungen nie infrage gestellt wurden.

Michael Olympios, der Chef eines Anlegerverbandes, resümiert die Ergebnisse der Untersuchung mit dem berühmten Zitat des Historikers Lord Acton: «Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.» Die Bank of Cyprus will sich nun zu dem Bericht nicht äußern und auch der Generalstaatsanwalt lehnt eine Stellungnahme ab.

Damals gute Ratings gehabt

Die beteiligten Manager beharren unterdessen darauf, dass griechische Anleihen damals als attraktive Investitionsmöglichkeit erschienen. Der ehemals für das Risikomanagement der Bank verantwortliche Nicolas Karydas widerspricht auch der Darstellung des Berichts, er habe den Verwaltungsrat getäuscht - dieser habe die Investment-Strategie sogar mehrfach abgesegnet. «Es schien damals Konsens zu sein, dass Griechenland die Krise überstehen wird.»

Auch der frühere Institutschef Andreas Eliades erklärt, die Bonds hätten damals gute Ratings gehabt und seien auch international sehr gefragt gewesen. «Jeder kaufte griechische Anleihen.» EU-Daten zufolge hatten jedoch die meisten internationalen Institute damals nicht annähernd so viele griechische Papiere in ihren Portfolios - obwohl sie viel größer waren.

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Stichhaltige Argumente

Vielleicht enthielten die zahlreichen gelöschten Dateien stichhaltigere Argumente für den Kauf der griechischen Papiere, als die Manager heute liefern wollen - dies vermuten zumindest die Autoren des Berichts. Der mysteriöse USB-Stick unbekannter Herkunft hat sie jedoch vermutlich für immer gelöscht.

(se/rcv/reuters)