Auf den Rekordgewinn für das Jahr 2014 folgt ein schier beispielloser Verlust: Die Nationalbank hat im ersten Quartal ein Minus von 30 Milliarden Franken eingefahren, wie sie heute meldete. Obwohl tief im roten Bereich war dieses Ergebnis zu erwarten, lautete der erste Kommentar Laurent Bakhtiari, Analyst bei der Genfer IG Bank.

Tatsächlich hatten im Vorfeld viele Beobachter mit einem markanten Minus gerechnet. Denn nach der Aufgabe des Mindestkurses am 15. Januar hatte der Franken stark an Wert gegenüber vielen anderen Währungen gewonnen – besonders jedoch gegenüber dem Euro. Da die SNB rund 42 Prozent ihrer Devisenreserven zum Stichtag Ende März in der Gemeinschaftswährung hielt, sind die wechselkursbedingten Einbussen entsprechend hoch.

Fast ein Drittel der Reserven sind amerikanische Dollar: Im Vergleich zum Greenback hat der Franken nach dem 15. Januar zwar schwächer gewonnen – doch auch die US-Währung trägt zum Quartalsverlust bei.

Verlust könnte steigen

Ein dicker Brocken, wie Alexander Koch sagt. Der Ökonom bei Raiffeisen Schweiz verweist darauf, dass der Verlust sukzessive sinken könnte, wenn der Franken wie von der SNB erwartet weiter abwertet. «Bleibt aber der Euro-Franken-Kurs auf dem jetzigen Niveau und erhöhen sich die Langfristzinsen in Europa und den USA, würde der Verlust sogar nochmals deutlich höher ausfallen», warnt er.

Anzeige

Sollten zudem die Aktienmärkte nachgeben, könnte der Verlust fürs Gesamtjahr sogar noch höher ausfallen: «Der Rekordgewinn des letzten Jahres könnte mit umgekehrtem Vorzeichen übertroffen werden», so Koch. Wie die Statistik zeigt, waren die Ergebnisse der SNB in den vergangenen Jahren enormen Schwankungen unterworfen: So gab es etwa 2014 mit über 38 Milliarden Franken das höchste Plus überhaupt.

Ausschüttung an Aktionäre in Gefahr

Analyst Bakhtiari gibt sich immerhin zuversichtlich, dass das Ergebnis der SNB im aktuellen Quartal besser ausfallen könnte. Für die Ausschüttung jedoch ist er skeptisch. Eine Dividende dürfte für 2015 sehr unwahrscheinlich sein, glaubt er. Den Kantonen dürfte ein solches Szenario nicht gefallen. Eine Auszahlung käme ihnen zugute und würde die Bilanzen aufbessern.