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Prognose
Deutsche Aufsicht glaubt an Zuzug von Londoner Banken

Frankfurt (mit EZB-Turm): Die Stadt ist die deutsche Finanzmetropole. Keystone

Frankfurt wird aus Sicht der deutschen Finanzaufsicht massiv vom Brexit profitieren: Zahlreiche Banken dürften ihr Geschäft aus London in die deutsche Finanzmetropole verlagern.

Veröffentlicht am 09.05.2017

Zahlreiche Londoner Banken werden nach Einschätzung der Finanzaufsicht BaFin wegen des Brexit Geschäfte nach Deutschland verlagern. «Wir haben mit deutlich mehr als 20 Instituten gesprochen», sagte der oberste BaFin-Bankenaufseher Raimund Röseler. «Wir haben bisher von einer zweistelligen Anzahl von Banken in Aussicht gestellt bekommen, dass sie sich für Frankfurt entscheiden werden.» Viele Geldhäuser würden die Anträge auf eine Banklizenz in Deutschland vorbereiten und vermutlich im zweiten Halbjahr einreichen.

In London tätige Banken brauchen nach dem Brexit im März 2019 eine Gesellschaft mit Banklizenz in der EU, wenn sie weiter Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 EU-Staaten anbieten wollen. Viele Geldhäuser prüfen deshalb die Verlagerung von Geschäften, etwa nach Paris, Dublin oder Frankfurt. «Die meisten grossen Institute verfolgen eine Strategie, dass sie nicht alle Eier in einen Korb legen», sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld. Sie wollten Geschäfte auf zwei, drei oder mehr Standorte verteilen. «Frankfurt spielt hierbei eine ganz herausgehobene Rolle.»

Warnung vor Protektionismus

Viele deutsche und französische Politiker fordern, dass auch die Abwicklung von Derivategeschäften in Euro von London auf den Kontinent verlagert werden muss. Hufeld hält davon nichts. Er warnte davor, «zu schnell auf Lösungen zu springen, die auf den ersten Blick interessant erscheinen, auf den zweiten Blick aber hohe protektionistische Kollateralschäden auslösen können».

Viele Grossbanken sind der Ansicht, dass eine Verlagerung des Euro-Clearings sehr teuer wäre und die Finanzstabilität gefährden könnte. Einige Finanzmarktaufseher teilen diese Sorge. «Man muss sich klar darüber sein, welche Konsequenzen so etwas haben kann», mahnte Hufeld.

(reuters/mbü/cfr)

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