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Arbeitsmarkt
Deutsche Wirtschaft trotz Trump und Brexit positiv

Handwerker in Deutschland: Es sollen mehr Jobs entstehen. Keystone

Die Aussichten für deutsche Arbeitnehmer schätzen Experten der Industrie- und Handelskammer positiv ein. Trotz der Ungewissheiten durch Brexit und Trump erhöhen sie die Wachstumsprognose.

Veröffentlicht am 08.02.2017

Trotz grosser Unsicherheiten durch die Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump und dem anstehenden Brexit: Die Geschäfte in der deutschen Wirtschaft laufen gut und die Zuversicht nimmt sogar noch zu. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 27'000 Firmen hervor.

Der Verband erhöhte daraufhin am Mittwoch seine Wachstumsprognose für Deutschland. 2017 wird nun mit einem Plus von 1,6 Prozent gerechnet, nachdem es bisher nur 1,2 Prozent waren. Allerdings warnte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben: Würden die Ankündigungen Trumps umgesetzt, «dann kommt das dicke Ende noch». Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wies die US-Kritik an deutschen Handelsüberschüssen zurück. Käme es zu neuen Handelsbarrieren, «gibt es am Ende nur Verlierer».

Harte Haltung gefordert

Trump sorgt mit Einreiseverboten für muslimisch geprägte Länder sowie Plänen für hohe Importzölle seit Wochen für Verunsicherung in der hiesigen Wirtschaft. Schliesslich sind die USA Deutschlands wichtigster Aussenhandelspartner. Erst am Dienstag hatte Aussenhandelspräsident Anton Börner vor «katastrophalen» Folgen für die exportorientierte deutsche Wirtschaft gewarnt, wenn Trump seine Ankündigungen zum Schutze der US-Industrie wahr mache.

Börner forderte eine harte Haltung der deutschen Politik und Wirtschaft. DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben äusserte sich zurückhaltender. Er hält die Replik der Bundesregierung darauf für richtig: «Die sind unaufgeregt, die sind deutlich, so muss es auch sein.»

USA und Brexit grösste Gefahren

Insgesamt schätzen die deutschen Firmen die US-Politik zusammen mit dem anstehenden EU-Austritt der Briten und dem Fachkräfte-Mangel als grösste Geschäftsrisiken ein. Wansleben betonte aber, dass es noch keine wirtschaftliche Abschottung der USA gebe. «Das Thema ist schon in der gefühlten Welt, nicht aber in den Auftragsbüchern der Unternehmen präsent«. Nur so lasse sich die erstaunlich positive Stimmungslage bei den Firmen erklären.

«Die Situation ist besser, als die Unternehmen am Ende letzten Jahres erwartet haben, ohne dass sie daraus schliessen, jetzt geht richtig die Post ab», so Wansleben. Die Exporterwartungen seien auf dem höchsten Stand seit drei Jahren. Auch die Geschäftsaussichten hätten sich nochmals verbessert.

Arbeitsteilung für den Export

Angesichts dessen stockte der DIHK seine Exportprognose für 2017 um einen Punkt auf 3 Prozent auf. Die Arbeitslosenzahl werde im Jahresdurchschnitt um knapp 40'000 auf 2,65 Millionen sinken. Bundesbank-Präsident Weidmann sagte gegenüber dem «Redaktionsnetzwerk Deutschland», es sei eine merkwürdige Vorstellung von fairem Handel, wenn für jedes importierte deutsche Auto ein amerikanisches nach Deutschland exportiert werden solle. «Wenn bei uns im Fernsehen amerikanische Erfolgsserien laufen, müssen die Amerikaner dann zum Ausgleich jeden Sonntag 'Tatort' schauen?« Der Kern internationaler Arbeitsteilung sei doch gerade, dass jeder das mache, was er am besten könne - und nicht jedes Land alles.

Trump hat unter anderem deutschen Autobauern unfaires Verhalten vorgeworfen. Als Beispiel führt er an, dass in den USA viel häufiger ein Mercedes vor der Haustür stehe als in Deutschland ein Chevrolet.

(reuters/me)

 

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