Im Kampf gegen den starken Euro sollten sich die europäischen Währungshüter die Schweiz zum Vorbild nehmen. Dafür plädiert der sogenannte Wirtschaftsweise Peter Bofinger. «Die EZB sollte sich ein Beispiel an der Schweizer Nationalbank nehmen, ein klares Wechselkursziel definieren und dieses auch verteidigen», sagte das Mitglied des Sachverständigenrats der deutschen Bundesregierung der Zeitung «Welt am Sonntag».

Den aktuellen Wechselkurs des Euro hält Bofinger für «absolut kontraproduktiv». Die europäischen Peripherieländer versuchten demnach mühsam, wieder wettbewerbsfähiger zu werden, so Bofinger – «aber die Euro-Stärke entwertet das alles wieder».

Wechselkurse «losgelöst von makroökonomischen Fakten»

Seit Wochen schon treibt der starke Wert der Gemeinschaftswährung dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Sorgenfalten auf die Stirn. In der vergangenen Woche stieg der Euro zeitweise auf fast 1.40 Dollar – bis Mario Draghi mit seiner verbalen Intervention am Donnerstag für eine leichte Entlastung gesorgt hatte. Allerdings erwarten Finanzinvestoren nun auch Taten: Nach Meinung von immer mehr Fachleuten dürfte Draghi erstmals in der Geschichte des Euro im Juni negative Zinsen einführen.

Nach Ansicht von Bofinger bewegen sich Wechselkurse heute «weitgehend losgelöst von makroökonomischen Fakten, deshalb ist es gerechtfertigt, wenn die Notenbanken da eingreifen». Gleichzeitig räumt der Wirtschaftsweise in dem Interview ein, dass eine solche Massnahme nur als abgestimmte Aktion mit anderen Notenbanken Erfolg versprechend sei, um einen Währungskrieg zu vermeiden.

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SNB intervenierte erfolgreich – den Kritikern zum Trotz

Als die Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro für die hiesige Wirtschaft immer gefährlicher wurde, gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) im September 2011 die Einführung eines Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro bekannt. In einer knappen Mitteilung hiess es: «Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen.»

Fachleute wie der frühere UBS-Chef Oswald Grübel hatten seinerzeit die Einführung der SNB-Massnahme kritisiert. Als kleines Land könne die Schweiz gegenüber dem Euro keinen Wechselkurs diktieren, sagte er. «Das ist auf lange Sicht unmöglich.» Tatsächlich intervenierte die SNB bis heute sehr erfolgreich: Seit dem Frühherbst 2012 braucht sie überhaupt nicht mehr an den Devisenmärkten mit Euro-Zukäufen eingreifen, um die selbst gezogene Währungsgrenze zu verteidigen – die Frankengrenze ist zwar nicht offiziell, aber faktisch passé.

Erst vor wenigen Wochen empfahl der Internationale Währungsfonds der Notenbank in seinem jährlichen Länderbericht, den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro beizubehalten.

«EZB müsste im grossen Stil amerikanische Staatsanleihen kaufen»

Heute werden rund um den Globus allerdings deutlich mehr Euro als Franken gehandelt. Es dürfte zu Beginn eines Wechselkursziels zum Dollar also nötig sein, höhere Summen zu investieren, heisst es in dem Medienbericht. Davor sollte man in der Euro-Zone nach Ansicht von Bofinger jedoch nicht zurückschrecken: «Die EZB müsste eben in grossem Stil amerikanische Staatsanleihen kaufen – die dafür nötigen Euro-Beträge kosten sie nichts, und auf die US-Anleihen gäbe es sogar noch Zinsen.»