Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich im Mai leicht eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex - eine Umfrage unter ranghohen Unternehmensvertretern - fiel um 0,1 Punkte auf 53,9 Zähler, wie das Forschungsunternehmen Markit in London mitteilte. Der Rückgang war von Analysten erwartet worden. In der Industrie ging das Stimmungsbarometer zurück, bei den Dienstleistern hellte es sich auf. Auch in den beiden grössten Euro-Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich läuft die Entwicklung auseinander.

Markit gab sich unter dem Strich zuversichtlich: Angesichts des hohen Niveaus der Kennzahlen sei die Eurozone auf dem besten Weg, im zweiten Quartal 2014 das stärkste Wirtschaftswachstum seit drei Jahren zu verzeichnen, heisst es in einer Mitteilung. Allerdings ist Vorsicht geboten: Im ersten Quartal hatte das Wachstum in zahlreichen Euroländern enttäuscht, obwohl Frühindikatoren in die andere Richtung gezeigt hatten. Laut Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson ist der Aufschwung im Währungsraum intakt. «Der Deflationsdruck ist hingegen weiter ein grosses Problem.»

Starker Jobaufbau in Deutschland

In Deutschland hellte sich die Stimmung der Dienstleister auf, in der Industrie trübte sie sich hingegen ein. Markit-Ökonom Oliver Kolodseike sagte, angesichts des wetterbedingten Booms zum Jahresstart sei in der Eintrübung im verarbeitenden Gewerbe kein Abbruch des Aufschwungs zu sehen. «Der gute Geschäftsverlauf hat sich mittlerweile auch auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen, wo es zum stärksten Jobaufbau seit Ende 2011 kam.»

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Frankreich hinkt dagegen hinterher: In beiden Sektoren fielen die Einkaufsmanagerindizes unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Damit befinden sich Industrie und Dienstleister auf Schrumpfungskurs. Frankreichs holprige Wirtschaftsentwicklung habe sich fortgesetzt, kommentierte Markit-Ökonom Jack Kennedy. Zu Jahresbeginn hatte die zweitgrösste Volkswirtschaft Europas nur stagniert, also kein Wachstum verzeichnet.

(awp/dbe/sim)