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Prognose
Devisen-Experten erwarten Euro-Dollar-Parität

Euro und US-Münzen: Wie tief fällt die Gemeinschaftswährung? Bloomberg

Der weltbeste Devisen-Prognostiker ING glaubt nicht an eine baldige Erholung des Euros. Bis Ende 2016 dürfte die europäische Währung auf die Parität zum Dollar zurückfallen, sagen die Analysten.

Veröffentlicht am 08.01.2015

Eine besonders negative Einschätzung der Euro-Entwicklung in 2014 hat ING Groep NV dazu verholfen, im Vorjahr die akkurateste Prognose für die Wechselkurs-Entwicklung aufzustellen. Die Niederländer sehen keinen Grund, von ihrem Pessimismus nun abzurücken und sagen voraus, dass die Gemeinschaftswährung innerhalb von zwei Jahren auf die Parität zum Dollar zurückfallen wird.

2014 hatte das Jahreshoch noch 1,3993 Dollar betragen. In einer Bloomberg-Umfrage sagen 30 Prognostiker für Ende 2016 im Median einen Kurs von 1,15 Dollar voraus.

Deflations-Bekämpfung belastet Währung stark

Die ING-Experten gehen davon aus, dass die erwarteten Massnahmen der Europäischen Zentralbank zur Wiederbelebung der Wirtschaft des Euroraums und Deflations-Bekämpfung die Währung stärker belasten werden als die meisten anderen Firmen erwarten. Wenige Investoren wollen Euros halten, nachdem die Währungshüter die Geldmenge ausweiten, und vor allem da Dollar-denominierte Vermögenswerte durch potenzielle Zinserhöhungen der Federal Reserve attraktiver werden.

«Wir zählen zu den grössten Pessimisten für Euro-Dollar», sagt ING-Devisenstratege Petr Krpata im Telefoninterview. «Es sieht aus als würde die Fed die Zinsen früher als erwartet erhöhen, potenziell Ende des zweiten Quartals, und das wird die unterschiedlichen Entwicklung in der Geldpolitik noch weiter vorantreiben.»

ING gilt als bester Devisen-Prognostiker

ING verdrängte 2014 die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) von Rang 1 als bester Devisen-Prognostiker. Eine der zutreffendsten Vorhersagen der Niederländer lautete, dass der Euro bis Jahresende um 13 Prozent auf 1,20 Dollar fallen würde. Tatsächlich ging es auf 1,2098 Dollar abwärts. Die Median- Prognose von Bloomberg unter Strategen hatte auf 1,28 Dollar gelautet.

Für zusätzlichen Pessimismus gegenüber dem Euro sorgte die Meldung am Mittwoch, wonach die Verbraucherpreise in der Eurozone im Dezember annualisiert um 0,2 Prozent gesunken sind - der erste Rückgang in fünf Jahren. Dadurch erhöht sich der Druck auf EZB-Chef Mario Draghi, mit dem Staatsanleihenkauf zu beginnen im Rahmen der Strategie, mit der der Wirtschaft Barmittel zugeführt und der Wechselkurs des Euro gedrückt werden sollen.

Zinserhöhung der Fed bis September erwartet

Krpata, der die ING-Prognosen zusammen mit Chris Turner, dem Chef für Devisenstrategie, verfasst, rechnet damit, dass die EZB bei ihrem ersten Treffen in diesem Jahr am 22. Januar eine so genannte quantitative Lockerung ankündigen wird und dann am 5. März weitere Details dazu nennt. Bislang hiess es von EZB- Mitgliedern lediglich, eine Lockerung werde geprüft.

Gleichzeitig besteht eine 59-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen von derzeit null bis 0,25 Prozent bis September auf mindestens 0,5 Prozent erhöht, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Futures-Daten. Dem am späten Mittwoch veröffentlichten Protokoll der jüngsten Notenbank-Sitzung war zu entnehmen, dass die meisten Währungshüter eine Zinserhöhung vor Ende April für unwahrscheinlich halten.

Paritäts-Prognose bleibt Minderheitsmeinung

«Hauptthema ist immer noch die Dollar-Stärke», sagt Shahab Jalinoos, weltweiter Chef für Devisenstrategie bei Credit Suisse in New York. «Die Fed dürfte die Zinsen spätestens im Juni anheben, was früher wäre als der Markt eingepreist hat. Bei den darauf folgenden vier Sitzungen dürften drei weitere Erhöhungen folgen.» Credit Suisse schätzt, dass die Gemeinschaftswährung 2015 bei 1,15 Dollar beenden und sich ein Jahr später auf 1,19 Dollar erholen wird.

ING vertritt mit der Paritäts-Prognose eine Minderheitsmeinung, steht aber nicht ganz alleine da. ABN Amro Bank NV und Citigroup Inc., der weltgrösste Devisenhändler, rechnen für Ende 2016 ebenfalls mit Euro-Dollar-Parität. Optionspreisen zufolge besteht eine Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent, dass der Euro tatsächlich bis auf das ING-Ziel nachgibt.

(bloomberg/gku)

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