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Devisenskandal rückt weitere Notenbank in schlechtes Licht

Singapur: Der Bankendistrikt sorgt weiter für Ärger.   Keystone

Die Entlassung einer Investmentbankerin der Deutschen Bank bringt neue Machenschaften bei der Notenbank Singapurs ans Tageslicht.

Veröffentlicht am 10.04.2014

Der Skandal um Manipulationen am Devisenmarkt bringt nach der Bank of England (BoE) eine weitere Notenbank in die Bredouille. Von mehreren Medien veröffentlichte Details zur Suspendierung einer Londoner Investmentbankerin der Deutschen Bank nähren den Verdacht, dass Notenbanker in Singapur von den mutmasslichen Betrügereien wussten oder sogar darin verwickelt waren. Die Vertriebsdirektorin der Deutschen Bank soll nämlich wegen «unangemessener Kommunikation» mit der Zentralbank von Singapur beurlaubt worden sein, wie «Financial Times», «Wall Street Journal» und die Nachrichtenagentur Bloomberg berichteten.

Handelsrelevante Infos gesteckt

Dem «Wall Street Journal» zufolge soll die Vertriebsdirektorin, die für Verkäufe von Währungen an Zentralbanken zuständig war, handelsrelevante Informationen mit der Notenbank ausgetauscht haben. Die Zentralbank Singapurs bestätigte, wegen laufender Ermittlungen zum Manipulationsverdacht mit mehreren Finanzunternehmen, darunter auch die Deutsche Bank, in Kontakt zu stehen. Sie erklärte, sämtlichen Vorwürfen wegen unangemessenen Verhaltens nachzugehen. Die Deutsche Bank wollte den Fall nicht kommentieren. Die Beurlaubung der Londoner Vertriebsdirektorin war in der vergangenen Woche bekannt geworden.

Bislang richtete sich der Betrugsverdacht in erster Linie gegen Händler von Privatbanken. Sie sollen sich untereinander abgesprochen haben, um Devisenkurse für eigene Geschäfte zu manipulieren. Doch nun deutet sich an, dass auch zumindest einzelne Mitarbeiter von Notenbanken in diese Absprachen verwickelt sein könnten. In Grossbritannien hat die Bank of England bereits einen Mitarbeiter beurlaubt. Dort laufen inzwischen grossangelegte Untersuchungen, ob Notenbanker von den mutmasslichen Manipulationen der Devisenkurse wussten und sogar daran beteiligt waren.

Enger Kontakt normal

Welche Informationen die Beteiligten bei der singapurischen Zentralbank und die Mitarbeiterin der Deutschen Bank konkret ausgetauscht haben sollen und wo dabei Grenzen überschritten sein könnten, blieb zunächst offen. Notenbanker stehen üblicherweise in einem engen Kontakt mit Bankern, um sich über die Stimmung an den Märkten zu informieren und gegebenenfalls für den Erhalt der Geldstabilität einschreiten zu können. Laut «Wall Street Journal» ist dieser Austausch wegen der laufenden Ermittlungen zuletzt erheblich reduziert worden.

Die Notenbank Singapurs ist eine von gut einem Dutzend Behörden, die weltweit an der Aufklärung des Devisenskandals arbeiten. Sie hatte im vergangenen Jahr bereits ihre Ermittlungen in puncto Betrügereien bei wichtigen Marktdaten abgeschlossen. Dabei wurden eklatante Missstände festgestellt. Wegen Defiziten bei internen Kontrollen und im Risikomanagement mussten 20 Banken insgesamt 12 Milliarden Singapur-Dollar (7 Milliarden Euro) für mögliche Strafen zurücklegen. 133 Händler sollen an den Manipulationen beteiligt gewesen sein.

Seit 2 Jahren am Aufarbeiten

Seit rund zwei Jahren erschüttert der Verdacht von grossangelegten Manipulationen wichtiger Finanzkennziffern die Märkte. Angefangen hatte es bei Betrügereien rund um die wichtigen Referenzzinssätze. Zahlreiche Banken wurden in diesem Fall bereits zu hohen Strafen verdonnert, darunter auch die Deutsche Bank. Inzwischen untersuchen die Behörden auch mögliche Manipulationen bei Benchmarks für den Ölpreis, im Gasgeschäft, bei Gold und vor allem auf dem Devisenmarkt.

Gerade der Verdacht im Währungshandel könnte für die Banken grosse Sprengkraft haben. Der Devisenhandel ist mit einem täglichen Volumen von zuletzt rund 5 Billionen Dollar als grösster Finanzmarkt der Welt. Ein grosser Teil der Geschäfte läuft dabei zwischen Finanzunternehmen über ihre Händler und ist wenig transparent.

Viele Institute wie die Deutsche Bank haben inzwischen interne Untersuchungen eingeleitet, um nach Verstössen in den eigenen Reihen zu fahnden. Mittlerweile sind laut «FT» weltweit 31 Beschäftigte bei Banken und Notenbanken wegen des Falls suspendiert, bei der Deutschen Bank sind es dem Vernehmen nach bislang mindestens vier.

(awp/chb)

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