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Spekulation
Die Flaute im Kornfeld

Ein Weizenfeld in der Schweiz. Spekulationsobjekt Lebensmittel. (Bild: Keystone)

Die Früchte des Sommers werden mit den Mähdreschern geerntet. Die goldgelben Felder sind nur noch Stoppeln. Da lädt Weizen zu einer kurzfristigen Short-Spekulation ein.

Von Christian Ingerl
am 17.08.2013

An den Agrarmärkten aktive Anleger sollten stets auch die Meteorologie im Blick haben. Im letzten Jahr hat sich diese Erkenntnis eindrucksvoll bestätigt: Die Rekorddürre in den Kornkammern der USA löste eine immense Rally der Getreide- preise aus. Zwölf Monate später kann von einer Hausse nicht mehr die Rede sein. Im Gegenteil: Am Chicago Board of Trade (CBOT) gehandelte Terminkontrakte auf Weizen stürzten seit dem Jahreswechsel um 19 Prozent ein. Mais verbillig- te sich sogar um mehr als einen Drittel.

Rekordertrag an Mais

Der Ausverkauf steht in direktem Zusammenhang mit den Ernteerwartungen. Das US- Landwirtschaftsministerium (USDA) geht von einem Rekordertrag bei Mais aus. Eine entscheidende Rolle spielt die Tatsache, dass die von US- Farmern bestellte Maisfläche so gross ist wie seit 1936 nicht mehr. Gleichzeitig herrschen deutlich günstigere Wetterbedingungen als 2012. Welt- weit erwartet das USDA für die Anbauperiode 2012/13 bei Mais einen Angebotsüberschuss von knapp 30 Millionen Tonnen. Damit würde sich das Verhältnis der globalen Lagerbestände zum Verbrauch auf 16 Prozent erhöhen. Im langfristigen Kontext bewegt sich die an den Rohstoff- märkten viel beachtete «Stocks-to-Use Ratio» jedoch weiter auf einem tiefen Niveau. Zur Jahr- tausendwende waren noch rund 30 Prozent des globalen Bedarfs vorrätig. Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass die starke Preiskorrektur die Nachfrage nach US-Mais für den Export und als Futtermittel antreibt. Daher erwarten die Experten, dass 2014 die Notierung im Schnitt bei 5,30 US-Dollar liegen wird – ein Aufschlag von 14 Prozent auf den aktuellen Wert.

Mais im Fokus

«Neben der stärkeren Nachfrage dürfte Mais auch Unterstützung erhalten, weil die schwache diesjährige Preisentwicklung zu einer Kürzung der Anbaufläche führt», begründen die Analysten ihre Einschätzung.

Während Anleger für dieses Szenario einen längeren Atem mitbringen sollten, könnte Soja eine kurzfristige Tradingchance bieten. Der nächste fällige Future drehte an einem markanten Haltepunkt nach oben. Zudem sendete der technische Indikator MACD ein Einstiegssignal. Fundamental profitierte die Getreidesorte von der aktuellen Ernteprognose des USDA: Sie lag mit knapp 3,3 Milliarden Scheffel unter dem bisherigen Ausblick und auch unter den Markterwartungen.

Für mutige Anleger

«Zusätzlich preistreibend wirkte die Nachricht, dass China einen grösseren Kaufauf-trag für US-Sojabohnen abgeschlossen hat», so die Commerzbank. Mutige Anleger können mit Hebelpapieren auf eine Fortsetzung des Rebounds setzen. Auf dem im November fälligen Terminkontrakt basiert ein Mini-Future Long der RBS. Dieser Kontrakt notiert deutlich unter dem nächstfälligen. Insofern reicht eine Annäherung des Basiswerts an das aktuelle Preisniveau, damit das Hebelprodukt an Wert gewinnt.

Weizen als kurzfristige Short-Spekulation

Hingegen lädt Weizen zu einer kurzfristigen Short-Spekulation ein. Nach einer Phase der Konsolidierung scheint das Getreide nach unten auszubrechen. Fallende Kurse würden dem Faktor-Zertifikat Short der Commerzbank in die Hände spielen. Anders als Mini-Futures oder Warrants bringen diese Vehikel einen stabilen Hebel mit. Egal ob Long oder Short: Angesichts der Besonderheiten dieser Anlageklasse sollten nur erfahrene Investoren zu gehebelten Investments greifen.

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