Der Preisauftrieb im Euroraum ist im Mai stärker gesunken als erwartet - das setzt die EZB weiter unter Handlungsdruck. Die jährliche Inflationsrate fiel von 0,7 Prozent im Vormonat auf 0,5 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat in Brüssel nach einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 0,6 Prozent gerechnet.

Die schwache Inflation macht der Europäischen Zentralbank (EZB) zu schaffen, die stabile Preise bei einer Jahresrate von knapp zwei Prozent als gewährleistet ansieht. Finanzprofis gehen fest davon aus, dass die Währungshüter ihre Geldpolitik an diesem Donnerstag weiter lockern werden.

Die von der Notenbank besonders beobachtete Kernrate der Inflation, bei der stark schwankende Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, fiel im Mai von 1,0 Prozent im Vormonat auf 0,7 Prozent zurück. Experten hatten eine Rate von 0,8 Prozent erwartet. Das bringt die EZB noch stärker in Zugzwang.

Behinderter Schuldenabbau

Die niedrige Teuerung birgt zum einen das Risiko, dass die Euro-Wirtschaft in eine Deflation abgleitet. Darunter verstehen Volkswirte eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und schwachem Wachstum. Dazu kann es kommen, wenn Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise Konsum und Investitionen aufschieben.

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Die EZB hat aber oft betont, dass auch eine zu lange Phase mit niedriger Inflation eine Gefahr darstelle. Dauerhaft geringer Preisauftrieb erschwert den Schuldenabbau, weil ein grösserer Teil der Wirtschaftsleistung für Zinszahlungen aufgewendet werden muss. In fast allen Staaten im Euroraum ist die Verschuldung hoch.

(awp/chb)