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Geldpolitik
Die «Ménage à trois» der neuen Fed-Chefin

Heute hat Fed-Chef Ben Bernanke seinen letzten grossen Auftritt. Dann übernimmt Janet Yellen den wichtigsten Bankerjob. An ihrer Seite: Ehemann George Akerlof – und ein weiterer Nobelpreisträger.

Von Mathias Ohanian
am 29.01.2014

Nach sieben Jahren Amtszeit tritt Ben Bernanke vom wichtigsten geldpolitischen Posten der Welt zurück. Heute Abend 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit hat er seinen letzten grossen Auftritt als Vorsitzender der US-Notenbank Fed. Die Welt schaut angesichts der aktuellen Schwäche der Schwellenländer gebannt auf die Wort des Mann aus Georgia. Ab kommender Woche dann im Fokus: Noch-Stellvertreterin Janet Yellen. Sie folgt Bernanke auf den Chef-Posten.

Auf sie warten grosse Herausforderungen. Yellen muss den eben erst begonnenen geldpolitischen Kurswechsel der Fed vollziehen. Doch wie tickt die 67-Jährige? Ist sie fähig, die Trendwende zu meistern? Und wer gehört zu ihren Vertrauten?

Ihre Prognosen gehören zu den besten

Kritiker beschreiben Yellen gerne als Verfechterin einer ultralaxen Geldpolitik, die früher oder später in ausufernden Preissteigerungen münden muss. Dieser Ansicht liegt die Idee zugrunde, dass eine grössere Geldmenge der Zentralbank automatisch zu mehr Inflation führen muss. Doch die komplexe Wirtschaft von heute lässt sich mit diesem mechanischen Modell aus verstaubten Lehrbüchern nicht erklären.

Yellen erkannte das und warnte bereits früh während der Finanzkrise vor sinkenden Preisen angesichts stark sinkender Kapazitäten in der Wirtschaft. Die Gefahr der Stunde hiess nicht Inflation, sondern Deflation. Ihre Prognosen sind einer Untersuchung zufolge die besten aller Mitglieder im Fed-Ausschuss. Vor der grossen Häuserkrise 2008 warnte sie vor aufkommenden Problemen am Markt für Hypothekenpapieren.

Nobelpreisträger stehen hinter Yellen

Für ihre Fachkenntnisse ist Yellen bei ihren Kollegen geschätzt: Im vergangenen Herbst sprachen sich über 500 amerikanische Wirtschaftsexperten für sie als neue Fed-Vorsitzende aus. Einige der renommiertesten Vertreter der Zunft stellten sich hinter die 67-Jährige, darunter der Yale-Professor und letztjährige Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller.

Als einer der ersten unterzeichnete aber Joseph Stiglitz den offenen Brief. Der Professor an der Columbia Universität lässt kaum eine Gelegenheit verstreichen, Yellen in höchsten Tönen zu loben. Immer wieder betont er, dass Yellen die wohl beste Arbeitsmarktexpertin sei, die Amerika heute vorweisen könne. Die beiden Wirtschaftsexperten kennen und schätzen sich schon lange: Stiglitz unterrichtete Yellen in Yale. In 40 Jahren als Professor habe er nie eine bessere Studentin gehabt, sagte Stiglitz einmal über seine frühere Schülerin.

Stiglitz und Mr. Yellen gewannen 2001 den Nobelpreis

Darüber hinaus verbindet die beiden eine private Beziehung – vor allem weil sich Stiglitz und Yellens Ehemann sehr nahe stehen. Gemeinsam studierten sie in Boston am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und seien «beste Freunde» gewesen, beschrieb Stiglitz im vergangenen Herbst in einem Radio-Interview seine Beziehung zu George Akerlof. Immer wieder kreuzten sich die Wege der beiden Ausnahmewissenschaftler. Der Höhepunkt: Im Jahr 2001 erhielten Akerlof und Stiglitz (zusammen mit Michael Spence) den inoffiziellen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Das stärkte die Bande zwischen Yellen und Akerlof auf der einen und Stiglitz auf der anderen Seite noch zusätzlich. «Wir standen uns alle sehr nahe», so Stiglitz über die wissenschaftliche Dreiecksbeziehung. Yellen und Akerlof selbst lernten sich 1977 bei einem geldpolitischen Seminar der Notenbank in Washington kennen – und lieben. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, «oder ganz nahe dran», so Akerlof. Gemeinsam haben die beiden einen Sohn: Der 32-jährige Robert Akerlof unterrichtet heute an der Uni Warwick in England ebenfalls Ökonomie.

Auch Yellen und Akerlof arbeiteten schon zusammen

Das «Power-Paar» (Stiglitz über Yellen/Akerlof) arbeitete auch wissenschaftlich erfolgreich zusammen: Sie verfassten mehrere Aufsätze über Löhne, Arbeitslosigkeit und Fairness. Unter anderem schilderten Yellen und Akerlof, warum es für Firmen attraktiv sein könne, höhere Gehälter als am Markt üblich zu zahlen.

Zum Thema Geldpolitik äusserte sich Akerlof in den vergangenen Jahren übrigens nicht öffentlich. Das liegt jedoch weniger am fehlenden Fachwissen als vielmehr an seiner Vorsicht. Der Zirkel der Notenbanker ist verschwiegen, Investoren rund um den Globus legen jedes Wort der Währungshüter auf die Goldwaage. Da könnten selbst Sätze von Mr. Yellen die globalen Finanzmärkte bewegen.  

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