Die Schweiz kann sich nach Ansicht der Privatbank Julius Bär der Konjunkturdelle in Europa nicht entziehen. «Die Schweiz wird an Wachstumsschwung verlieren», sagte Julius Bär-Chefökonom Janwillem Acket am Mittwoch vor den Medien in Zürich.

Für das nächste Jahr rechnet die Bank noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) um 1,4 Prozent für die Schweiz nach 1,5 Prozent im laufenden Jahr.

Starker Konsum

Der private Konsum werde jedoch wieder anziehen, von 0,8 Prozent im laufenden Jahr auf 1,3 Prozent im 2015. Die Exporte sollen von 3,0 auf 3,3 Prozent zulegen. Die Ausrüstungsinvestitionen dürften gar von 0,7 auf 3,3 Prozent steigen. Da seien die Ersatzinvestitionen der Unternehmen in IT- und Telekomausrüstung wirksam, sagte Acket.

Insgesamt werde die Schweiz mit einem sehr gemächlichen Wachstum von rund eineinhalb Prozent weiterfahren, sagte Acket. Unser Land habe zwar Rückenwind durch den stärkeren Dollar von dem die Schweizer Exporteure nach Amerika oder Asien profitieren würden. Das reiche aber nicht aus, um die Delle der Eurozone wettmachen zu können. «Wir hoffen, dass die Delle in der Eurozone nicht allzu lange dauert», sagte der Chefökonom.

Eurozone dümpelt vor sich hin

Für die gesamte Eurozone, die der Hauptabnehmer der Schweizer Wirtschaft ist, rechnet Acket mit einem Wachstum von 0,8 Prozent im nächsten Jahr. Deutschland dümple zyklisch vor sich hin mit einem Wachstum von 1,2 Prozent im nächsten Jahr.

Frankreich sei das Hauptproblemland in der Eurozone, dahinter folge Italien, sagte Acket: «Sogar Herr Renzi (A.d.R. Italiens Ministerpräsident) hat gemerkt, dass er etwas tun muss.»

Politiker müssen handeln

Dagegen seien Griechenland und Spanien weniger bedeutend für die Gesamtlage. In Spanien dürfte die Konjunktur von 1,5 auf 2,0 Prozent anziehen. Frankreich und Italien würden hingegen lediglich rund ein halbes Prozent wachsen, schätzte Acket.

Um wieder in Schwung zu kommen, müssten die Politiker Strukturreformen ergreifen. Die Lage sei paradox: «Die Zentralbanken tun alles für das Wachstum, bringen aber das Wachstum nicht dorthin, wo es mal war, während die Politik fähig wäre, durch Strukturreformen das Wachstum anzukurbeln, es aber nicht tut», sagte Acket. So müsste beispielsweise der starre Arbeitsmarkt in Europa flexibilisiert werden.

(sda/dbe)

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