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Diese Bücher sollten Sie lesen: «The End of Banking»

Das Ende des Banking ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Banken.Keystone

Zum Jahresende gibt unser Ökonomieblog seine eigenen Büchertipps. Das erste Buch wird Ihr Verständnis des Geldwesens schärfen – die Lektüre lohnt sich im Hinblick auf die Vollgeldinitiative.

Von Simon Schmid
am 28.12.2015

Hinter dem Pseudonym Jonathan McMillan verstecken sich zwei Schweizer Autoren. Beide sind Ökonomen, einer arbeitet bei einer Zeitung, der andere bei einer Bank. Zusammen haben sie letztes Jahr ein Buch verfasst, das durch Klarheit und Kreativität besticht: «The End of Banking», eine Abhandlung über das Bankenwesen, die Kreditschöpfung und das Geldsystem – sowie über die anstehende Revolution dieser drei zusammenhängenden Bereiche.

Die Autoren vermitteln auf knapp 200 Seiten erstens, wie unser modernes Geld- und Kreditwesen funktioniert. Zweitens erklären sie, wo der gemeinsame Ursprung der diversen Ärgernisse im heutigen Finanzsystem liegt – Probleme wie den wiederkehrenden Boom-and-Bust-Zyklen, den exzessiven Risiken und überrissenen Boni, der unerwünschten Staatshaftung bei Too-big-to-fail-Banken. Drittens präsentieren sie mit der «systemic solvency rule» eine elegante Reformidee, über die sich nachzudenken lohnt – auch im Zusammenhang mit der Vollgeldinitiative, die in einiger Zeit zur Abstimmung kommt.

Der im Titel angesprochene Schlüsselbegriff des Buches heisst «Banking». Diese Finanztechnik, so die zentrale These, war in der Frühphase des Kapitalismus wichtig, um Industrialisierung und Massenproduktion in die Gänge zu bringen. Mit dem Einzug von Computer und Internet ist das Banking jedoch ausser Kontrolle geraten, insbesondere das Schattenbankensystem ist unüberblickbar und unregulierbar geworden. Die optimistische Botschaft der Autoren lautet jedoch: Banking ist inzwischen ein verzichtbares Übel geworden.

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Gerade die Digitalisierung entpuppt sich als Trägertechnologie in der neuen Ära, in der die Finanzwelt auch ohne Banking auskommen kann. So zeigt «The End of Banking» analytisch einleuchtend auf, wie Peer-to-peer-Kredite, internetbasierte Investitionsplattformen und digitale Währungen genauso gut anstelle des klassischen Bankenwesens die wichtigen Intermediärsfunktionen einer arbeitsteiligen Wirtschaft ausüben können – jedoch, ohne die typischen Risiken und unerwünschten Nebenerscheinungen des Banking aufzuweisen.

«The End of Banking» ist eines der Wirtschaftsbücher, die ich dieses Jahr mit Interesse gelesen habe. In den kommenden Tagen um den Jahreswechsel stellen wir bei Free Lunch fünf weitere Werke vor, die wir als Alternative zu den üblichen Wirtschaftsbestsellern zur Lektüre empfehlen.

Simon Schmid
Chefökonom bei der Handelszeitung. Wirtschafts- und sozialwissenschaftlich inspirierter Schreiber.
Twitter: @schmid_simon

 

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