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Free Lunch
Diese Bücher sollten Sie lesen: «No Ordinary Disruption»

Kinder im ghanaischen Kumasi: Die Schwellenländer gewinnen massiv an Bedeutung. Keystone

Zum Jahresende gibt unser Ökonomieblog seine eigenen Buchtipps. Heute: Die vier grossen Kräfte der Weltwirtschaft, die dabei sind, alle geltenden Trends zu brechen.

Von Mathias Ohanian
am 29.12.2015

Schon mal von Kumasi gehört? Nein? Dann sind sie nicht allein. Es spricht allerdings nichts dagegen, sich in einer ruhigen Minute mal die Landkarte zur Hand zu nehmen und die Stadt im Herzen Ghanas zu suchen. Immerhin wird Kumasi dereinst zu den wichtigen Regionen der Welt gehören, die das globale Wachstum befeuern werden.

Rund 440 heute noch weitgehend unbekannte Städte werden in gerade einmal einer Dekade für die Hälfte des weltweiten Wirtschaftswachstums verantwortlich sein, analysieren die drei McKinsey-Experten Richard Dobbs, James Manyika und Jonathan Woetzel in ihrem im Frühjahr 2015 erschienen Buch «No Ordinary Disruption».

Industrielle Revolution verblasst gegenüber heutigem Wandel

Der dramatische Bedeutungsgewinn der Schwellenländer rund um den Globus ist eine von vier disruptiven Kräften, die alle bekannten Trends brechen. Kräfte, die schon längst wirken, deren Auswirkungen jedoch erst in einigen Jahren allen Menschen offensichtlich sein werden.

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Eindrucksvoll und mithilfe vieler Beispiele und Statistiken beschreiben die Autoren die Szenarien der Zukunft. Gegen die vier Kräfte verblasst demnach selbst die Industrielle Revolution, schreiben sie: Die Autoren schätzen, dass der derzeitige Wandel zehn mal schneller voranschreitet und die Auswirkungen 3000 Mal grösser sind.

Ein Beispiel: Waren im Jahr 2000 zum Beispiel noch 95 Prozent der weltweit grössten Unternehmen wie IBM, Coca-Cola oder Nestlé in den Industrieländern angesiedelt, werden 2025 bereits mehr Grosskonzerne ihren Hauptsitz in China haben als in den USA oder Europa. Die Autoren erwarten, dass gut die Hälfte aller Unternehmen auf dem Globus mit einem Umsatz von über 1 Milliarde Dollar ihren Hauptsitz in Schwellenländern haben wird.

Packend für Manager und Wirtschaftsinteressierte gleichermassen

Neben der Abwanderung von Grosskonzernen in neue Weltregionen fordern uns künftig drei weitere grosse Kräfte heraus, sind die Autoren überzeugt: Die Überalterung der Bevölkerung, die Rasanz des technologischen Wandels und die starke Vernetzung von Menschen, Informationen und Produkten (ausführlicher haben wir das Buch hier besprochen).

Packend ist die Lektüre keineswegs nur für Konzernchefs oder politische Entscheidungsträger, die der «neuen» Welt in ihren täglichen Entscheidungen unmittelbar Rechnung tragen müssen. Vielmehr wird der Wandel uns alle betreffen: Früher oder später wird sich Jeder die Frage stellen müssen, ob seine bislang geltenden Intuitionen und Überzeugungen noch der massiv veränderten Realität entsprechen.

Mathias Ohanian
Redaktionsleiter von handelszeitung.ch. Früher bei der Financial Times Deutschland. Gelernter Ökonom, ausgebildeter Journalist.
Twitter: @mathiasohanian

 
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