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Inflation
Draghi ist bereit für eine Ausweitung der Geldflut

Mario Draghi: Der EZB-Chef beweist Tatendrang. Keystone

Die Teuerung in Europa treibt Mario Draghi die Sorgenfalten in die Stirn. Der Präsident der Europäischen Zentralbank zieht in Betracht, die ohnehin schon lockere Politik zusätzlich zu forcieren.

Veröffentlicht am 12.11.2015

EZB-Präsident Mario Draghi hat mit deutlichen Worten seine Bereitschaft zu einer baldigen Ausweitung der Geldschwemme in der Eurozone unterstrichen. Vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments verwies er am Donnerstag auf die unerwünscht niedrige Inflation.

Es könne länger dauern als im März gedacht, bis sich die Preisentwicklung wieder anhaltend normalisiere, sagte Draghi. «Falls wir zum Schluss kommen, dass unser mittelfristiges Preisstabilitätsziel in Gefahr ist, werden wir handeln, in dem wir alle Instrumente innerhalb unseres Mandats nutzen», betonte er.

Euro reagiert

Die Europäische Zentralbank (EZB) werde im Dezember prüfen, ob ihre bisherigen geldpolitischen Massnahmen ausreichen. An den Finanzmärkten drückten Draghis Äusserungen auf den Euro. Er schwächte sich gegenüber Franken und Dollar deutlich ab.

Nach Worten des EZB-Chefs dämpft die wirtschaftliche Schwächeperiode der vergangenen Jahre die Lohnentwicklung, was sich auf die Preise auswirken könne. Die Anzeichen für eine nachhaltige Wende bei der Kerninflation – die schwankenden Energiepreise sind darin ausgeklammert – seien schwächer geworden, warnte Draghi.

Neue Daten im Dezember

Zur Ratssitzung Anfang kommenden Monats werden neue Inflations- und Konjunkturprognosen der EZB-Experten vorliegen. Dies soll bei der Einschätzung helfen, ob weitere geldpolitische Schritte nötig sind. Dazu loten die Euro-Wächter ihr Spektrum an Werkzeugen aus. «Das Anleihen-Kaufprogramm ist ein besonders starkes und flexibles Instrument», sagte Draghi.

Bislang ist das Programm bis September 2016 angelegt und soll dann einen Umfang von rund 1,14 Billionen Euro haben. Es soll Investments in Anleihen unattraktiv machen, damit Banken mehr Kredite vergeben. Das Ziel: mehr Wirtschaftswachstum und Inflation. In der EZB gibt es aber auch Stimmen, die vor zunehmenden Gefahren der grossen Geldflut warnen. So argumentierte der Präsident der deutschen Notenbank, Jens Weidmann, jüngst, die Wirksamkeit der ultralockeren Geldpolitik nehme mit der Zeit ab, während Risiken und Nebenwirkungen sich erhöhten.

(sda/ise)

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