Im Juli hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen verringert. Im Jahresvergleich waren 748 weniger Personen länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet. Dennoch dürften gerade Jugendliche künftig länger nach einer Stelle suchen müssen.

Für Klaus Abberger von der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich ist der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit kein «grosses positives Signal», wie er gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte.

Gleichzeitig habe sich nämlich die Zahl der gemeldeten offenen Stellen verringert. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl offener Stellen um rund einen Fünftel ab. «Der Druck auf den Arbeitsmarkt hat zugenommen», hält Abberger fest. Viele Firmen stellten nur zögerlich ein, zudem gebe es erste Anzeichen dafür, dass Stellen abgebaut würden.

Längere Stellensuche droht

Dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt momentan angespannt ist, zeigen auch die Jugendarbeitslosenzahlen: Im Juli meldeten sich 17'182 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), 535 mehr als noch im Juli vor einem Jahr.

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Traditionell steigt die Jugendarbeitslosigkeit zwar im Sommer an, wenn die Schul- und Ausbildungszeit endet. In diesem Jahr dürfte es aber für einige schwieriger werden, einen Job zu finden, wie Abberger erklärt. Viele Unternehmen warten ihm zufolge noch mit der Entscheidung zu, ob sie ihre Lehrlinge übernehmen oder neue Personen einstellen.

Mehr ausgesteuerte Jugendliche

Auch die Zahlen der Ausgesteuerten deuten daraufhin, dass sich die Stellensuche für Jugendliche schwieriger und länger gestaltet. Nach jüngsten Zahlen verloren im Mai 642 Jugendliche ihr Recht auf Arbeitslosenentschädigung. Im April waren es noch 331 gewesen. Auch gegenüber den beiden letzten Vorjahresmonaten sind es zwischen 70 und 100 Jugendliche mehr, die ausgesteuert wurden.

Jugendliche werden allerdings schneller ausgesteuert als ältere Arbeitnehmer, da sie auch nach einer längeren Unterbrechung leichter den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt finden.

Gegen eine Entspannung der Langzeitarbeitslosenzahlen spricht auch die Zunahme der älteren Arbeitslosen. Im Juli registrierten sich 2057 über 50-Jährige mehr als noch vor Jahresfrist bei den RAV. Das ist eine Altersgruppe, deren Angehörige üblicherweise nach einem Verlust ihrer Stelle mehr Zeit brauchen, um eine neue zu finden.

Langzeitarbeitslosen-Anteil variiert mit Statistik

Insgesamt waren im Juli 21'401 Personen länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet, 16 Prozent aller Arbeitslosen. Ausgesteuerte aber, die kein Arbeitslosengeld mehr bekommen, werden dabei nicht mitgezählt. Seit Anfang Jahr wurden 15'533 Personen ausgesteuert, allein im Mai waren es 2946 Personen, wie die jüngsten Zahlen zeigen.

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In der Erwerbslosenstatistik gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) fällt deshalb die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich höher aus. Während das Seco für die Erhebung der Arbeitslosenzahlen alle bei den RAV registrierten Arbeitslosen erfasst, basiert die international vergleichbare Erwerbslosenstatistik auf einer Stichproben-Befragung der Bevölkerung.

Im ersten Quartal 2015 waren dieser Statistik zufolge 81'000 von 212'000 erwerbslosen Personen länger als ein Jahr ohne Erwerb. Das entspricht einem Anteil von 38,3 Prozent an den Erwerbslosen.

Abstriche bei Arbeitspensum und Lohn

Laut einer Analyse des Bundesamtes für Statistik (BFS) findet immerhin knapp die Hälfte der Ausgesteuerten innerhalb eines Jahres wieder Arbeit. Nach fünf Jahren sucht noch einer von zehn Ausgesteuerten eine Anstellung, während sich zwei aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben. Wer wieder in den Job zurückfindet, muss jedoch meistens Abstriche bei Arbeitspensum und Lohn hinnehmen. Zudem sind viele Stellen nur befristet.

(sda/dbe/ama)