Die Wirtschaft in der Eurozone wird sich nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD noch schwächer entwickeln als bislang befürchtet. Für die Länder mit der Gemeinschaftswährung erwarten die OECD-Ökonomen im kommenden Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. Im vergangenen OECD-Ausblick aus dem Monat Mai hatte die Prognose noch bei 2,0 Prozent gelegen.

Hintergrund der düsteren Aussichten in Europa ist nach Angaben der OECD vor allem die Staatsschuldenkrise: "Ein Grossteil der derzeitigen Schwächephase ist auf einen generellen Vertrauensverlust in die Fähigkeit der Politik zurückzuführen, angemessene Antworten zu platzieren", kommentierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag in Paris.

Ähnlich verschlechtert haben sich die Aussichten in den USA. Für die dortige Wirtschaft werden nur noch 1,8 Prozent Wachstum erwartet. Im Mai hatte die OECD noch ein Plus von 3,1 Prozent vorhergesagt. Für die weltweit führenden Volkswirtschaften (G20) insgesamt liegt die Prognose für 2012 bei 3,8 Prozent.

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Aus der weltweiten Konjunkturabkühlung zieht auch das internationale Arbeitsamt ILO wenig beruhigende Schlüsse: Offenbar steht ein dramatischer EInbruch der weltweiten Beschäftigung bevor, warnt die Sonderorganisaiton der UNO. Der Einbruch könnte weit grösser sein als bei der letzten Krise.

Das könnte zu sozialen Unruhen führen. Die jüngsten Daten zeigten für zwei Drittel der fortgeschrittenen Wirtschaften und für die Hälfte der Schwellen- und Entwicklungsländer eine Verlangsamung bei den Anstellungen, meldete das Büro am Montag.

Gemäss der Organisation müssten weltweit 80 Millionen Stellen geschaffen werden, sollte der Beschäftigung wieder den Stand erreichen, den sie 2007 vor der Finanzkrise hatte. Die Verlangsamung lasse nun vermuten, dass die Weltwirtschaft nur gut die Hälfte der zuvor vernichteten Stellen wieder schaffen kann, also 40 Millionen.

Schon Ende 2010 waren mehr als 200 Millionen Menschen arbeitslos, die Zahl dürfte auch 2011 nicht sinken. In mehr als 45 von 118 untersuchten Ländern dürfte damit die Gefahr sozialer Unruhen wachsen.

(laf/awp)