Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland weiter gesunken, obwohl sich die Flüchtlingszuwanderung immer stärker bemerkbar macht. Die Zahl der Erwerbslosen aus den typischen Asylherkunftsländern wie Syrien und dem Balkan legte laut Bundesagentur für Arbeit (BA) binnen Jahresfrist um rund 45’300 oder fast 31 Prozent zu.

«Und das wird jetzt richtig steigen», sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Dienstag in Nürnberg. Insgesamt habe sich die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Februar aber fortgesetzt, begünstigt auch durch die milde Witterung. Mit 2,91 Millionen Arbeitslosen waren erstmals seit 25 Jahren in einem Februar weniger als drei Millionen Erwerbslose registriert.

Auch interessant

Weniger Leute suchen einen Job

«Das dynamische Beschäftigungswachstum hält weiter an», sagte Weise. Vor allem Pflege, Soziales und Handel hätten dazu beigetragen, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Dezember 2015 mit 31,18 Millionen um 780’000 höher gewesen sei als ein Jahr zuvor.

Fast 43 Millionen Menschen waren im Januar in Deutschland erwerbstätig. Die Zahl der registrierten Jobsucher fiel von Januar auf Februar um 9000, während die Arbeitslosenquote um 0,1 Punkte auf 6,6 Prozent zurückging. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen gab es 10’000 Erwerbslose weniger. Auch in der Euro-Zone geht die Arbeitslosigkeit zurück und ist auf dem niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren. Deutschland schneidet dabei am besten ab.

Flüchtlinge schaffen mehr Arbeit

«Niemand hier braucht Angst zu haben, dass er wegen der Flüchtlinge arbeitslos wird«, sagte die deutsche Arbeitsministerin Andrea Nahles in Berlin. «Durch die Flüchtlinge, das können wir beobachten, wird stattdessen mehr Arbeit geschaffen.»

Die als Flüchtlinge anerkannten Menschen würden zunächst aber in die Hartz-IV-Jobcenter kommen. Das sei jetzt auch schon zu merken. Weise verwies darauf, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Menschen aus den Asylländern eine Folge der schnelleren Bearbeitung der Asylgesuche sei. Erst nach ihrer Anerkennung tauchen Flüchtlinge in der Statistik als Arbeitslose auf.

Noch keine statistischen Zahlen

Die BA erwartet für dieses Jahr 130’000 arbeitslose Flüchtlinge, zum Jahresende womöglich etwa 200’000. Eine Statistik zur Erwerbstätigkeit von Flüchtlingen wird momentan von der BA noch aufgebaut. Für Aussagen zur derzeitigen Entwicklung muss sie daher auf die Gruppe der Asylherkunftsländer zurückgreifen.

Zu den Beschäftigten, Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern aus diesen Ländern gehören aber auch viele Menschen, die schon lange in Deutschland leben und nicht als Flüchtlinge gekommen sind.

Mehr Asylbewerber arbeiten

Die Zahl der Beschäftigten aus den grossen Asylzugangsländern lag im Dezember laut BA um gut zehn Prozent oder rund 46’700 höher als ein Jahr zuvor. Mit rund 508’000 Beschäftigten gab es aus diesen Ländern mehr Menschen mit einem Job als registrierte Arbeitslose (rund 193’000).

Allein die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus diesen Staaten legte binnen Jahresfrist aber um fast 28 Prozent oder knapp 103’000 zu. Diese Veränderungen dürften «im engen Zusammenhang mit dem aktuellen Flüchtlingsgeschehen stehen», heisst es in einer BA-Studie. So stieg die Zahl der syrischen Hartz-IV-Bezieher um 76’000 oder 140 Prozent. Der Anteil der Personen aus den Asylzugangsländern an allen Hartz-IV-Beziehern stieg von 6,1 auf 7,9 Prozent.

(reuters/mbü)