Angesichts der Bankenkrise sei es «fraglich, ob das Land weiter in der Lage sein wird, sein Defizit zu verringern», erklärt die Ratingagentur Egan Jones. Daher stufte sie die Kreditwürdigkeit Grossbritanniens am Montagabend von AA auf AA- herab. Der Ausblick ist laut Egan Jones' Ansicht negativ. Das Hauptproblem des Landes sei, dass sich die Bankenkrise in Europa keinswegs abflaue, wie die miserablen Erbegnisse der meisten Eurozonen-Banken belegen. Daher erwarte man unglücklicherweise, «dass die Schulden des Landes weiter steigen und das Land unter Druck bleibt».

Die drei Rating-Riesen geben dem Land noch eine bessere Bewertung: Standard & Poor's und Fitch haben Grossbritannien mit der Note AAA bedacht, Moody's bewertet das Land mit Aaa. Noch - denn schon oft war die kleine Agentur den Grossen voraus. Ein Beispiel: vor etwa einem Monat stufte S&P Spanien von AA auf BBB+ herab - gerade einmal eine Woche, nachdem Egan Jones bereits den Schritt von BBB zu BBB- gegangen war.

In der Branche ist die Meinung über die kleine Agentur gespalten. Egan Jones selbst deklariert ihren Auftrag damit, eine unabhängige Alternative zu den Grossen Drei zu geben. Man erhalte von niemandem Geld, der Bonds ausstellt. «Unsere einzige Mission ist es, unseren Kunden durch akkurate, risiko-averse und auf die Martkentwicklung abgestimmte Ratings zu helfen», heisst es auf der Internetseite der Agentur. Alles andere sei den Kunden überlassen.

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Krawallmacher-Image

Doch die Agentur hat sich auch ein Image als Krawallmacher zugelegt. Allein in der vergangenen Woche stufte sie etwa neben Grossbritannien noch zwei weitere EU-Länder herab: Spanien - schon wieder - und Italien. Die Spanier liegen nun nur noch bei BB-, die Italiener liegen aufgrund der «miserablen Zustände» im Land nur noch bei B-.

Angesichts der vielen Negativ-Schlagzeilen, die in den vergangenen Tagen über die wirtschaftliche Situation in beiden Ländern aufkamen, gingen diese Downgrades allerdings fast unter - mehr Furore machte Egan Jones Anfang des Jahres, als sie Europas grösste Volkswirtschaft Deutschland herabstufte. «Deutschland bleibt Europas Top-Volkswirtschaft», hiess es damals. Doch unter anderem die Tatsache, dass das Land die Probleme der schwächeren Euro-Staaten schultern müsse, sorge dafür, dass es zunehmend auch selbst unter Druck gerate.

Doch die Krawall-Attitüde des Rating-David hat diesen auch auf den Schirm der US-Finanzmarktaufsicht SEC gebracht. Im April leitete diese Ermittlungen gegen die Agentur ein. Um offiziell als Ratingagentur anerkannt zu werden, habe sie falsche Angaben gemacht und übertrieben. 50 Ratings auf Staatsanleihen und 150 Bewertungen von 150 forderungsbesicherten Wertpapieren hatte Egan Jones in der Bewerbung als NRSRO - offizielle Ratingagentur - angegeben - und diese Zahl allerdings im Nachhinein auf neun, beziehungsweise 13 gesenkt - man habe die Methodik geändert, so die Begründung. Die Vorwürfe der SEC wies die Agentur daher zurück. Man sei weiter darauf bedacht, zu den Goliaths am Markt eine ehrliche Alternative zu bieten. Moodys, S&P und Fitch teilen 95 Prozent der Marktanteile bei den Ratingagenturen unter sich auf.

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