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Eine verkannte Alternative

In der Stromerzeugung der Schweiz dominieren die Wasserkraft (56 Prozent) und die Kernkraft (39 Prozent)

Energieerzeugung: Nach dem Atomkraftwerk-Super-GAU in Japan müsste die weltweit bewährte Technologie der Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) in der Schweiz einen deutlich höheren Stellenwert als bisher erhalte

Von Oskar E. Aeberli
am 28.04.2011

Spätestens seit dem jüngsten Atom-Unfall in Japan sind sich die Energieexperten weltweit einig, dass im Bereich der Energieerzeugung jetzt ein Umdenk- und Alternativ-Prozess eingeleitet werden muss. Denn bislang hiess es bei den Atomphysikern, ein solcher Supergau könne höchstens alle 100 000 Jahre stattfinden. Das Beispiel Fukushima, nur 25 Jahre nach Tschernobyl 1986, beweist jetzt aber zweifelsfrei, dass das Restrisiko dieser Grosstechnologie viel höher einzustufen ist als bisher angenommen. Atomstrom ist jetzt zwingend als eine Auslaufenergie zu betrachten und möglichst bald, das heisst innert 10 bis 15 Jahren, durch weniger risikoreiche Alternativenergien abzulösen.

Im Schweizer Energiemix bietet sich neben Geothermie, Solar-, Wasser- und Windkraft primär die Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) als eine relevante Alternative an. Dabei können die erneuerbaren Energien Biogas, Klärgas, Holzgas wie auch Erdgas genutzt werden. Denn bei dieser erprobten Technologie besteht heute ein grosses, bislang noch zu wenig gut genutztes Potenzial.

Aufgrund einer Studie des Verbandes Effiziente Energie Erzeugung (V3E) beträgt dieses bis zum Jahr 2030 bei der Wärmeproduktion 8 und bei der Stromproduktion 12 Prozent (gemäss Studie BFE sogar 30 Prozent). Zudem bietet die WKK den vielerorts verkannten Vorteil, dass neben der Wärme, quasi als willkommenes Nebenprodukt, gleichzeitig noch Strom erzeugt werden kann. Dieser ist vor allem in den Wintermonaten, wo neben dem Wärme- auch der Strombedarf hierzulande sehr gross ist, besonders gefragt.

Dass nun das Bundesamt für Umwelt (Bafu) just in der Phase der Aufarbeitung der AKW-Katastrophe in Japan die Luftreinhalteverordnung (LRV) in der Schweiz verschärfen (siehe Seite 49), das heisst die bisherigen Grenzwerte beim Ausstoss von NOx erhöhen will, sorgt in den Energie- und Umweltkreisen für einiges Unverständnis. Denn durch diese willkürliche Verschärfung würde auch die sinnvolle WKK-Technologie unnötig verteuert, also für die Nutzer weniger wirtschaftlich. Eine Absicht, die vor allem bei den Mitgliederfirmen von V3E auf grosses Unverständnis stösst. «Wir verstehen diesen vom Bafu beabsichtigten Alleingang in Europa nicht», betont Daniel Dillier, Vizepräsident des Verbandes. Der Verband ist daher beim Bundesamt vorstellig geworden.

Bleibt noch zu ergänzen, dass zurzeit rund 500 Wasser- und Windkraftwerke durch Einsprachen blockiert sind. Hier besteht Handlungsbedarf beim Bund und bei den Kantonen.

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