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Energienetze: Intelligente Städte brauchen adäquate Netze

Smart Grid

In Zukunft werden weltweit mehr Leute in Städten leben als auf dem Land. Dieses Wachstum ist der treibende Faktor für das Konzept der «intelligenten Stadt». ABB ist in Europa an diversen Projekten im

Von Stefan Lindner *
am 22.08.2011

Die Vereinten Nationen haben unlängst berichtet, dass sich die Weltbevölkerung zum ersten Mal in der Geschichte gleichmässig auf Stadtund Landbevölkerung aufteilt. Laut Prognosen der Vereinten Nationen wird sich dieser Trend in den kommenden Jahrzehnten beschleunigen, bis sich die Stadtbevölkerung bis zur Mitte des Jahrhunderts fast verdoppelt haben wird – von 3,3 Milliarden im Jahr 2007 auf 6,4 Milliarden Menschen im Jahr 2050.

Wesentlich effizientere Energienetze

Dieses Bevölkerungswachstum wird die städtischen Dienste und Infrastrukturen stark belasten und ist daher ein treibender Faktor für das Konzept der «intelligenten Stadt». Ein wichtiges Element dieser Vision ist die Informationstechnologie, welche kritische Infrastrukturbestandteile und Dienste in Städten stärker miteinander vernetzt. Versorgungsgesellschaften würden Strom und Wasser zum Beispiel nur im benötigten Umfang liefern und auf diese Weise die Kapazitäten der Versorgungsnetze bestmöglich ausnutzen sowie Verschwendung soweit wie möglich vermeiden. Zu diesem Zweck müssen bestehende Versorgungsinfrastrukturen miteinander vernetzt und effizienter gestaltet werden. Das wird innovative neue Wege für die Erzeugung, Erhaltung, den Transport und das Management der Lebensadern einer Stadt wie Wasser, Gas und Elektrizität eröffnen.

Die grössten Veränderungen werden zum einen bei der Komplexität der Leitsysteme stattfinden, die für das integrierte Management aller Energienetze benötigt wird, und zum anderen bei den elektrischen Komponenten, die für den Betrieb der Netze gebraucht werden. Energienetze entwickeln sich in Richtung eines höheren Automations-, Intelligenz- und Interaktivitätsgrads und werden dadurch wesentlich effizienter, zuverlässiger und flexibler. Die Herausforderung, weitreichende Änderungen an Stromnetzen vorzunehmen, steht bei Regulierungsbehörden und hochrangigen Regierungsvertretern der verschiedenen politischen Ebenen weit oben auf der Tagesordnung.

Genua: 23 Prozent weniger CO2-Ausstoss

Anfang dieses Jahres unterzeichnete ABB eine Absichtserklärung mit der italienischen Stadt Genua (600000 Einwohner) für die Entwicklung einer Smart-Grid-Infrastruktur. Die Hafenstadt bemüht sich zurzeit um Fördermittel der EU im Rahmen des SET-Plans (Strategic Energy Technology Plan). Genua zählt zu den bedeutenden Wirtschaftsstandorten Italiens und hat aufgrund seiner Nähe zu den grossen Produktionszentren in Mitteleuropa einen strategischen Vorteil. Genuas Hafen bildet ein ideales südliches Tor für den Handelsverkehr von und nach Europa und die natürliche Drehscheibe für den Handel mit Asien.

Die Verwirklichung und Integration intelligenter und flexibler Stromnetze, energieeffizienter Gebäudesysteme und intelligenter Transportmittel wird Genua in die Lage versetzen, die Energieeffizienz zu steigern und die CO₂-Emissionen zu reduzieren, um auf diese Weise in die Riege der nachhaltigsten Städte Europas aufzusteigen. Genua will seinen CO₂- Ausstoss bis zum Jahr 2020 um 23 Prozent senken.

Im Erfolgsfall wird Genua das Portfolio an Forschungsprojekten und kommerziellen Projekten im Bereich Smart Grids ergänzen, an denen ABB bisher beteiligt ist. Dazu zählen unter anderen folgende Vorhaben:

  • Ein gemeinsames Entwicklungsprojekt mit dem nordeuropäischen Versorgungsunternehmen Fortum zur Planung und Installation eines gross angelegten Smart Grid im Stadtviertel Royal Seaport in Stockholm. Ziel des Projekts ist es, den Einsatz fossiler Energieträger in dem Viertel (10000 Wohnungen, 30000 Büros) bis 2030 vollständig zu vermeiden.
  • Ein gemeinsames Entwicklungsprojekt mit T-Systems, der auf Informations- und Kommunikationstechnologie spezialisierten Tochter der Deutschen Telekom, zur Errichtung eines Smart Grid in Friedrichshafen.
  • Ein gemeinsames Entwicklungsprojekt mit Helsingin Energia zur Planung und Installation eines Smart Grid im neuen Stadtviertel Kalasatama (18000 Bewohner, 10000 Arbeitsplätze) im Zentrum von Helsinki.

ABB hält das grösste Portfolio an Produkten und Technologien für die Entwicklung intelligenter Netze bereit und spielt daher in der Weiterentwicklung unserer Energiesysteme eine zentrale Rolle. Zusätzlich zur breiten Auswahl an intelligenter elektronischer Hardware wurde die Software-Palette mit der Übernahme von Ventyx, Insert Key Solutions, Obvient Software und Mincom beträchtlich erweitert. Diese Firmen ergänzen das Energiemanagement- Angebot und helfen mit, die fortschreitende Entwicklung von intelligenten und effizienten Städten aktiv zu unterstützen. Stefan Linder, Leiter Smart Grids, ABB Schweiz, Baden.

 

* Stefan Linder, Leiter Smart Grids, ABB Schweiz, Baden.

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