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Energieperspektiven: Die junge Generation engagiert sich

Im Vorfeld der World Engineers’ Convention 2011 arbeiten junge Ingenieurinnen und Ingenieure an 15 nachhaltigen Projekten
Im Vorfeld der World Engineers’ Convention 2011 arbeiten junge Ingenieurinnen und Ingenieure an 15 nachhaltigen Projekten

Wie kann eine Schule in Kenia künftig mit erneuerbaren Energien versorgt werden? Wie lässt sich städtisches Leben in der Schweiz ohne einen Tropfen Öl gestalten? Mit diesen Fragen befassen sich rund 1

Von Regula Altmann-Jöhl
2011-08-22

Die junge Generation wird in der Welt von morgen leben. Für sie ist es entscheidend, welche Weichen heute gestellt werden. Deshalb sollen sie Einfluss nehmen und die Energiezukunft aktiv gestalten – dazu ermutigt sie die World Engineers’ Convention (WEC) 2011 in Genf. Am Kongress werden mehr als 400 junge Ingenieurinnen und Ingenieure aus aller Welt teilnehmen und sich in speziellen Veranstaltungen und in der Young Engineers Lounge austauschen.

Das Engagement der jungen Generation begann bereits Monate vor dem Kongress. Im September 2010 riefen die Organisatoren der World Engineers’ Convention das Projekt «Young Engineers» ins Leben. Die Idee: Junge Ingenieurinnen und Ingenieure aus aller Welt sollen einen Beitrag leisten und praktische, umsetzbare Lösungen erarbeiten – über geographische und kulturelle Grenzen hinweg. Ziel ist, junge Ingenieure aus verschiedenen Ländern und Kontinenten zusammenzubringen und ihnen die Chance zu geben, andere Denkweisen kennenzulernen.

Im März 2011 schrieben Professoren von Schweizer Fachhochschulen konkrete Projekte international aus. Das Interesse war sehr gross, es meldeten sich zahlreiche junge Berufsleute aus allen Kontinenten. Schliesslich wurden rund 100 Ingenieurinnen und Ingenieure ausgewählt, die an 15 Projekten jeweils unter der Leitung eines jungen Schweizer Ingenieurs arbeiten. Betreut werden sie von einem Professor einer Fachhochschule. Ihre Projekte bearbeiten sie unter anderem auf einer Internetplattform. Im September werden die jungen Menschen in die Schweiz reisen, um sich persönlich kennenzulernen und ihre Arbeiten gemeinsam abzuschliessen. An der WEC 2011 werden die Projekte vorgestellt und prämiert.

Breite Themenwahl

Die ausgeschriebenen Projekte decken einen breiten Themenbereich ab, von der Entwicklung neuer Technik über das Erarbeiten von Konzepten bis hin zur Planung und Umsetzung von technischen Lösungen in Entwicklungsländern. So arbeiten zwei Teams zum Beispiel an neuartigen Speichertechnologien. Diese werden zunehmend wichtig, da erneuerbare Energien wie Sonne oder Wind nicht immer zur Verfügung stehen. Ein interessantes Konzept ist die thermische Speicherung der Sonnenenergie (TES). Dazu erarbeitet ein Team ein 3D-Modell, um das Verhalten eines solchen Systems zu simulieren. Eine andere Gruppe befasst sich mit der Speicherung elektrischer Energie in Schwungrädern.

Auch der Schweizer Gebäudepark ist Gegenstand eines Projekts: Ein Team analysiert die CO₂-Emissionen einzelner Gebäude und erarbeitet Massnahmen, um diese auf ein Minimum zu reduzieren. In einem weiteren Projekt geht es um Lösungen für eine nachhaltige Lebensweise in Schweizer Städten, bei der kein Tropfen Öl verbraucht werden soll. Mit ganz anderen Herausforderungen befassen sich die Projekte in Entwicklungsländern. Eines hat zum Ziel, eine Schule in Kenia mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Dabei mussten die jungen Ingenieure zuerst den Energiebedarf und weitere Bedürfnisse, zum Beispiel die hygienischen Anforderungen, evaluieren. Ausgehend davon sollten Lösungen gefunden werden, um den Energiebedarf erneuerbar zu decken. Dabei gilt es, auch die eingeschränkten Möglichkeiten punkto Logistik und Transport sowie die klimatischen Verhältnisse in Betracht zu ziehen. Schliesslich soll das Projekt finanzierbar sein und nachhaltigen Bestand haben. Die Menschen vor Ort müssen in der Lage sein, das System zu unterhalten.

Gesucht werden umsetzbare Lösungen

Die Projekte greifen umfassende Fragestellungen auf. Dabei geht es nicht um die Technik allein, sondern auch um gesellschaftliche und politische Aspekte. Die jungen Ingenieure sind gefordert, ganzheitlich und interdisziplinär zu denken. Sie sollen praktische und nachhaltige Lösungen entwickeln, die in der heutigen Welt umsetzbar sind.

Dies ist eine der Botschaften, welche die World Engineers’ Convention 2011 vermitteln will. Die Organisatoren hoffen, dass die Projekte der jungen Ingenieurinnen und Ingenieure bei den Teilnehmern auf Interesse stossen und dass einige davon finanzielle Unterstützung finden. Dies würde die junge Generation weiter ermutigen, sich für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen.

* Regula Altmann-Jöhl, HSR Hochschule für Technik, Rapperswil; Projektleiterin «Young Engineers» WEC 2011.

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