Nach dem Referendumserfolg des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hoffen seine Anhänger auf mehr Sicherheit und Stabilität. Das ist nicht zuletzt eine Voraussetzung für die Rückkehr der Touristen in das ehemals beliebte Ferienland. Dennoch haben sich die Tourismusregionen mehrheitlich gegen das Referendum ausgesprochen. Und auch Schweizer Reiseanbieter glauben nicht, dass Erdogans grosse Macht eine schnelle Verbesserung der Tourismussituation bringt.

Kurzfristig rechne man bei Hotelplan Suisse nicht mit einer Rückkehr der Türkei zu alter Stärke, sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. «Die Verunsicherung der Touristen ist weiterhin gross.» Bei den Buchungen für die Sommersaison liege man nochmals 30 Prozent hinter dem auch schon schwachen Vorjahr zurück.

«Die Türkei darbt seit zwei Jahren»

Ähnlich tönt es bei anderen Anbietern. Auch Tui Suisse und Kuoni Reisen sehen nach dem Referendum noch kein Licht am Ende des Tunnels. «Die Türkei darbt seit zwei Jahren und wir gehen nicht davon aus, dass das Abstimmungsresultat zu einer Verbesserung der Situation führt», so Kuoni-Sprecher Marcel Schlatter. Weil die Preise in der Türkei schon seit einiger Zeit im Keller sind, liesse sich die Nachfrage auch nicht über den Preis stimulieren.

Politische Entscheide hätten meist keine starken Auswirkungen auf das Reiseverhalten, bestätigt Bianca Schmidt von Tui. Zudem sei unklar, ob der Sieg von Erdogan aus touristischer Sicht positiv sei. Schliesslich könnten potenzielle Gäste das Land aus Protest boykottieren. Unter dem Strich bleibt klar: «Die Türkei läuft in diesem Jahr schlechter als im Vorjahr», so Schmidt.

Kapazitäten reduziert

Alle Reisebüros sehen einen Rückgang des Badetourismus in dem ehemaligen Boomland. Bei Kuoni liegen die Buchungen 55 Prozent tiefer als im Vorjahr. Schon 2016 hatte man einen Rückgang von 65 Prozent zu 2015 erlebt. Und dies trotz «einmaligem Preis-Leistungs-Verhältnis», so Schlatter. Die Gäste, die heute noch in die Türkei reisten, seien vor allem Stammgäste, die das Land kennen, ergänzt Schmidt.

Wegen der anhaltenden Baisse haben die Schweizer Anbieter in diesem Jahr weniger Flugkapazitäten eingekauft. Auch die Airline Swiss hat bereits im Herbst ihre Flüge nach Istanbul und Izmir eingestellt. Damals hoffte man auf eine Rückkehr im Sommer. Daraus wird nun aber nichts, wie eine Sprecherin der Fluggesellschaft bestätigt. Zumindest im Sommerflugplan 2017 gibt es keine Wiederaufnahme der beiden Flugstrecken.

«Aus den Schlagzeilen herauskommen»

Damit die Türkei wieder zu einem beliebten Touristenziel wird, brauche es vor allem Ruhe. «Das Land muss aus den Schlagzeilen herauskommen», sagt Schlatter von Kuoni. Zumindest in diesem Jahr werde die Türkei aber kaum mehr zum Renner werden. Wegen den tiefen Preisen sei es aber immer noch möglich, dass kurzfristige Buchungen einen Teil des Rückganges aufholen könnten, sind alle Anbieter überzeugt.

«So lange keine Touristen betroffen sind, vergessen die Kunden schnell», sagt Huguenin-dit-Lenoir im Bezug auf die Terrorängste, welche viele Reisende abschrecken. Tatsächlich haben sich bei Hotelplan Suisse Ägypten und Tunesien als Alternativen zur Türkei etabliert, Länder die auch schon Anschläge erlebten, aber in diesem Jahr schöne Zuwächse verzeichnen.

Alternativen sind teurer

Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Türkei bekommen Strandtouristen ohnehin kaum an einem anderen Ort. Beliebte Badedestinationen wie Spanien, Italien, Griechenland oder Zypern sind klar teurer. Besonders Spanien wird in diesem Jahr dennoch massiv zulegen, sind sich Touristiker einig. Mit der Türkei vergleichbar sei ein weiteres Land, sagt Schmidt: «Kroatien profitiert sehr von der Situation.»

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