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«Es fehlen einem die Worte!» - Reaktionen zur SNB

Swatch-Chef Nick Hayek: «Ein Tsunami». Keystone

Mit der Aufhebung des Mindestkurses hat die Nationalbank die Schweiz und die Welt überrumpelt. Lesen Sie hier, wie der Bundesrat, Economiesuisse und Swatch-Chef Nick Hayek reagieren.

Veröffentlicht am 15.01.2015

Economiesuisse:
«Die Ankündigung der SNB, die seit dem September 2011 geltende Wechselkursuntergrenze zum Euro nicht länger zu verteidigen, kommt auch für den Wirtschaftsdachverband economiesuisse zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Angesichts der angespannten Situation auf den Finanzmärkten und der erneuten Unsicherheit über die Zukunft des Euro-Raums ist mit einem dauerhaften Überschiessen des Wechselkurses zu rechnen. Ob sich unter diesen Umständen in näherer Zukunft überhaupt ein neues Gleichgewicht einpendelt, das lediglich eine gewisse und keine übermässige und damit schädigende Überbewertung des Frankens zur Folge hat, ist sehr unsicher.»

Schweizerischer Gewerbeverband:
«Dass die Schweizerische Nationalbank die Untergrenze zwei Jahre lang gehalten hat, gab den Unternehmen die Zeit, sich strategisch auf einen gegenüber dem Euro stärkeren Franken einzustellen. Ihr heutiger Entscheid, den Mindestkurs aufzugeben, ist für viele trotzdem überraschend. Er stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen. Die wichtigste ist die Verteuerung der Exporte. Die Politik kann helfen, diese Herausforderung zu meistern: Mit der konsequenten Senkung der Regulierungskosten wird es für die gesamte Schweizer Wirtschaft leichter, sich auch international zu positionieren.»

Schweizerischer Gewerkschaftsbund:
«Der Entscheid der SNB, den Mindestkurs aufzuheben, gefährdet die Löhne und Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft massiv und erhöht die Deflationsgefahren in der Schweiz. [...] Mit der Aufhebung der Untergrenze ist der Devisenspekulation nun Tür und Tor geöffnet. Es ist mit einer unkontrollierten Aufwertung zu rechnen. Die bereits heute unter dem überbewerteten Franken leidende Exportwirtschaft [...] wird zusätzlich belastet.»

Gastro Suisse:
«Unsere rund 20'000 Mitgliederbetriebe sind von diesem Schritt unmittelbar und negativ betroffen. Das Gastgewerbe ist mit der Restauration und Hotellerie naturgemäss eine Branche mit starkem Exportcharakter. Die Gäste aus dem Ausland machen einen wichtigen Anteil unserer Gäste aus und generieren einen grossen Umsatzanteil der Branche. [...] Mit dem heutigen Entscheid der SNB werden die Leistungen des Gastgewerbes gegenüber dem Ausland nochmals massiv verteuert und die Konkurrenzfähigkeit der Branche wird weiter geschwächt.»

Handel Schweiz:
«Vom heutigen Entscheid der SNB ist der Handel mehrfach negativ betroffen. Handel Schweiz, der Dachverband des Handels, nennt vier konkrete Beispiele: 1. Das Kapital von Handelsunternehmen steckt zum Grossteil in Lagern. [...] Die Unternehmen müssen von heute auf morgen massive Lagerabwertungen vornehmen. 2. Viele Lieferverträge laufen langfristig und können nicht kurzfristig angepasst werden, d.h. die Beschaffung bleibt weiterhin teuer. Denn die Preise basieren auf der Annahme eines bestimmten Wechselkurses. 3. Die grosse Verunsicherung bei den Kunden der Handelsunternehmen – allen voran der exportierenden Wirtschaft – führt zu einer raschen Abnahme von Bestellungen. Der Handel bleibt auf der Ware sitzen und muss mit den negativen Folgen leben. 4. Gewinner gibt es in der Realwirtschaft keine. Alle haben die verlässliche Planbarkeit verloren – damit einher geht die massive Verunsicherung.»

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf:
«Der Bundesrat hat den Entscheid zur Kenntnis genommen. Wir sind der Auffassung, dass der Wechselkurs weiterhin bedeutsam ist. Wir sind ebenfalls der Meinung, dass die Nationalbank auch in Zukunft für monetäre Bedingungen sorgt, welche in der Schweiz Inflation und Deflation verhindern und welche eine ausgeglichene Entwicklung der Wirtschaft weiterhin gewährleisten.»

Sozialdemokratische Partei der Schweiz:
«Die SP reagiert überrascht und mit Unverständnis darauf, dass die SNB in einem Moment grösster Unsicherheit den bewährten Mindestkurs des Frankens zum Euro aufgibt. Damit riskiert die Schweiz erneut eine massive Verteuerung des Schweizer Frankens und damit katastrophale Folgen für Volkswirtschaft und Arbeitsplätze.»

FDP Die Liberalen:
«FDP.Die Liberalen hat den Mindestkurs immer unterstützt, da dieser notwendig war, um die verheerenden Folgen der Frankenstärke abzufedern. Wir stehen hinter der Unabhängigkeit der Nationalbank und anerkennen deren Fachwissen. Dass eine Strategie zur Aufhebung des Mindestkurses verfolgt werden muss, war immer klar. Der Schock für die Märkte ist mit der heutigen Aufhebung des Mindestkurses jedoch beträchtlich.»

«Um die Risiken für die Schweizer Wirtschaft abzufedern, müssen die Belastung der Unternehmen durch Abgaben, Steuern und Bürokratie reduziert werden. Konjunkturpakete sind der falsche Weg.»

CVP Schweiz:
«Die CVP ist skeptisch, ob das der richtige Schritt für einen erfolgreichen Werkplatz Schweiz ist.»

«Die CVP hat den Mindestkurs gegenüber dem Euro stets unterstützt. Das gab den KMU und insbesondere der Exportwirtschaft und dem Tourismus Planungssicherheit und schützte das Gewerbe. Klar ist, dass die einseitige Euro-Anbindung für die SNB immer teurer wurde und ihre  Devisenberge immer höher wurden. Trotzdem kommt dieser Entscheid zeitlich völlig überraschend und trifft vor allem den Export und den Tourismus.»

Swatch-Chef Nick Hayek:
«Es fehlen einem die Worte! Jordan ist ja nicht nur der Name des SNB Präsidenten, sondern auch ein Fluss  und was die SNB da veranstaltet, ist ein Tsunami. Sowohl für die Exportindustrie wie auch für den Tourismus und schlussendlich für die ganze Schweiz

Bakbasel:
«Die Schweiz würde bis Ende 2016 um 1.5 bis 2 Prozentpunkte Wachstum verlieren, falls sich der Wechselkurs leicht oberhalb der Parität stabilisiert. Dies bedeutet noch keine Rezession, aber ein deutlich abgeschwächtes Wachstum unterhalb der Potenzialrate. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit und dürfte im Jahresdurchschnitt 2016 bei 3.6 bis 3.8 anstelle von 3.1 Prozent liegen.»

Thomas Stucki (St. Galler Kantonalbank):
«Während die Aufhebung der Untergrenze mit viel Getöse Einzug hielt, schleichen sich die Negativzinsen auf leisen Sohlen an. Sie sind aber die wahren Verwandlungskünstler und normalisieren auf den zweiten Blick die Geldpolitik.»

Dirk Aufderheide (Deutsche Bank):
«Die Frage ist nun, was das für die Realwirtschaft bedeutet. Der strake Ölpreisverfall zusammen mit flash crash-Aufwertung des Franken birgt eine sehr grosse Deflationsgefahr. Die Schweizer Unternehmen verlieren stark an Wettbewerbsfähigkeit. Und in der Finanzindustrie könnte es einige Investoren auf dem falschen Fuss erwischt haben. Auf das Vertrauen in Zentralbanken eine Anlagestrategie aufzubauen, ist hochproblematisch. Und natürlich stellt sich nun die Frage: Wie vertrauenswürdig sind Zentralbanken?»

Steen Jakobsen (Saxo Bank):
«Die Schweiz setzt damit ein starkes Signal an Staaten wie Japan. Der Weg zu einem starken Wachstum und langfristigem Wohlstand führt über die Selbstbestimmung des Marktes bezüglich der Währungskurse.»

«Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank ist absolut rational und gibt den Märkten Hoffnung, indem sie das Auf und Ab des Geschäftszyklus als einzigen Weg zur Besserung akzeptiert»

Thomas Gitzel (VP Bank):
«Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. (...) Da der Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet ist, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro-Franken einstellen.»

JP Morgan Research:
«Die grösste Überraschung der heutigen Entscheidung ist, dass die SNB sich gegen einen gelenkten Rückzug entschieden hat - sie hat dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen. Das ist zwar die sauberste Option für die SNB - alle Verbindungen zur Geldpolitik der EZB können nun gekappt werden. Aber es ist auch die Option mit dem grössten Risiko, den Euro-Franken-Kurs unter den fairen Wert zu drücken, den wir bei etwa 1,10 Franken sehen.»

Jonathan Webb (Jefferies & Company):
«Die Entscheidung der SNB hat den Markt völlig überrascht. Die SNB geht vermutlich davon aus, dass die EZB in der kommenden Woche auf ihrer Ratssitzung ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Angesichts der anstehenden Wahlen in Griechenland wäre es für die Schweizer ziemlich schwierig, den Mindestkurs aufrecht zu halten.»

Union Bancaire Privée (UBP):
«With regard to the currency, we expect today to be the day of maximum uncertainty, reflected in wide swings and marking of extremes. Hence, within the next days and weeks we expect currencies to still be volatile, e.g. as unhedged Swiss companies may start hedging and the SNB may come up with additional measures like enforcing the use of negative interest rates to strengthen other currencies against the CHF. After this period of volatility, we expect the currency to be driven by the development of the US and European economies relative to current expectations. In terms of PPP, there should be some strengthening of USD and EUR from current levels over the long-term.»

Luke Bartholomew (Aberdeen Asset Management):
«This is a huge move from the Swiss National Bank. Switzerland’s problem is that it is almost too credible as a safe haven. People desperately want to hold the currency to shield themselves from the risks they see elsewhere, particularly  in the Euro area. But with the prospect of QE from the ECB next week the SNB must have felt their peg was no longer tenable. Instead they have cut rates even more negative and there’s a real possibility that interest rates could go much lower from here.»

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