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Es geht um die Tragbarkeit, stupid

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Thomas Jordan: Der SNB-Präsident warnt vor Risiken auf dem Immobilienmarkt.Quelle: Keystone

Wo könnte die nächste Finanzkrise losbrechen? Alles achtet auf die Grossbanken, doch heikel wird es bei den inlandsorientierten Banken.

Kommentar  
Von Ralph Pöhner
am 21.06.2018

Das Schweizer Wirtschaftsschiff segelt unverdrossen weiter – jedenfalls laut der jüngsten Lagebeurteilung der SNB: Die Teuerung ist weiterhin kein Thema, für 2020 erwartet die SNB sogar eine tiefere Inflation, als sie noch im Frühjahr prophezeihte. Und der Wind des Wachstums bläst weiter. «Die Konjunktursignale für die kommenden Monate bleiben günstig», sagte SNB-Präsident an seinem Auftritt heute in Bern. Die Weltwirtschaft werde weiterhin stärker wachsen als ihr Potential.

Doch wo schwimmt der schwarze Schwan? Die SNB ahnt, wo ein paar einheimische Exemplare ausgebrütet werden – nämlich in einer bestimmten Ecke des Immobilien- und Hypothekarmarkts. Zum wiederholten Mal warnen die Notenbanker nun vor den Risiken, die erstens bei den Inlandsbanken lauern, zweitens bei den Mietliegenschaften und drittens in der Kombination dieser beiden Blöcke.

Ein Drittel höher als 2008

Der neue «Financial Stability Report» der SNB stellt fest, dass die inlandorientierten Banken ihre Risiken 2017 weiter erhöht haben. Ihr Hypothekarkreditvolumen kletterte weiter nach oben, während die Hypothekarkunden selber weniger zuverlässig erscheinen. Konkret hat die SNB errechnet, dass die Hausbesitzer heute weniger solide finanziert sind als noch vor einem Jahr. Oder anders: Die Tragbarkeit der Hypotheken hat sich weiter abgeschwächt.

Sowohl bei den neuen Eigenheim- wie bei den Mietliegenschaften war das Verhältnis der Hypo-Kosten zu den Einnahmen im letzten Jahr rekordverdächtig hoch, also ungünstig.

Auf der anderen Seite muss im Häusermarkt bekanntlich mit einer Korrektur gerechnet werden. Und speziell dunkel erscheinen dabei – erneut – die Wolken bei den Mietrendite-Liegenschaften. Mit einer kleinen Rechnung illustriert die Notenbank die Verhältnisse: Sofern die Mieten etwa gleich hoch bleiben, müssten die Preise für Wohnhäuser um etwa einen Drittel absacken, damit sich noch die Renditen von vor zehn Jahren erzielen lassen. Bedenkt man obendrein die Bautätigkeit und damit die zunehmend drohenden Leerstände, so wird bald klar: Selbst ein sanfter Zinsanstieg könnte die Immobilienpreise in den Keller jagen.

Masse statt Klasse

Bei den Banken wiederum sank die Zinsmarge letztes Jahr weiter – was diese wiederum kompensierten, indem sie noch eifriger Kredite vergaben: Masse statt Klasse.

Und so dürfte es weitergehen. Der Zinsdruck auf die Geldhäuser bleibt noch länger hoch. Dabei staut sich das nächste Problem auf, so ein weiterer Fingerzeig der SNB: Es geht um die Fristen. Denn gestiegen ist auch die Gefahr, dass die Banken dereinst günstige Zinsen durch höhere Zinsen ablösen müssen, während sie selber langfristige Billighypotheken ausgegeben haben. 

Gewiss: Die SNB-Direktoren wären nicht sie selbst, wenn sie nun lauthals Alarm rufen würden. Vizepräsident Fritz Zurbrügg meinte bei der Vorstellung des Stabilitätsberichts trocken, die «Widerstandskraft der inlandorientierten Banken» sei «insgesamt angemessen». Doch durch die Blume meint es die SNB ernst. Für sie wäre es an der Zeit, dass höhere Kapitalanforderungen für Hypothekarkredite einerseits, für inlandorientierte Banken andererseits eingeführt werden. 

«Es ist absolut entscheidend», sagte Nationalbankpräsident Thomas Jordan, «dass es in der Zukunft nicht zu einem unvernünftigen Ausbau der Risiken im Bankensystem kommt.»

Das Fazit im Frühsommer 2018 lautet also: Die Gefahren sind absehbar. Wir ahnen ziemlich genau, wo die schwarzen Schwäne brüten, zumindest die einheimischen Exemplare. Und der Wind treibt die Banken in die gefährliche Richtung. Aber man könnte momentan noch gut reagieren.

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