«Mit unseren provokanten Vorhersagen möchten wir Anleger dazu bringen, über den Tellerrand zu blicken und sich auf unerwartete Ereignisse vorzubereiten.» Die Aussage stammt von Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank.

Das Prozedere hat Tradition: Jakobsen will einmal jährlich provizieren, was ihm sicher damit gelingt, wenn er einen 50-prozentigen Einbruch bei der Apple-Aktie oder eine Rezession in Australien vorhersagt: «Die Schwäche der Wirtschaftsmacht China treibt andere Länder im Asien-Pazifikraum in die Rezession», hält er fest - «wenn ein Land vom Wohl der Chinesen abhängt, dann ist es Australien.»

Aus Schweizer Optik weit bemerkenswerter ist die Prognose, wonach der Euro auf 1.50 Franken katapultiert werden könnte. «Die Hartnäckigkeit der Schweizer Nationalbank im Kampf gegen die Aufwertung wird sich 2012 weiter auszahlen», sagt Jakobsen.

Schweiz von Skandinavien übertrumpft

Er tischt das Szenario von Negativzinsen von Neuem auf, was eine grosse Kapitalflucht aus dem sicheren Hafen Schweiz mit sich bringen würde. Dazu passt, dass Schweden und Norwegen «die neue Schweiz» werden: «Der Zustrom in sichere schwedische und norwegische Staatsanleihen nimmt rasant zu.»

Anzeige

Nicht immer liegt die Saxo Bank mit ihren «10 Outrageous Predictions» daneben, wie in der Vergangenheit das Beispiel des Kursfeuerwerks beim Goldpreis zeigte. Sollte sich allerdings These 5 bewahrheiten, dürften am Finanzhimmel düstere Wolken aufziehen: «Basel III und Regulierungseingriffe erzwingen die Verstaatlichung von 50 Banken in Europa», so Jakobsen. 

Finanzplätze temporär schliessen

Allerdings hat er für ein solches Schreckenszenario mit ungeahnten Domino-Effekten in These 2 die passende Lösung parat: Weil die EU-Schuldenkrise bis Mitte 2012 mit voller Wucht zurückschlage, «bricht der Aktienmarkt binnen kurzer Zeit um 25 Prozent ein, was die EU-Politiker dazu veranlassen wird, alle Börsen und Banken in Europa für eine Woche oder länger zu schliessen».

Spätestens in dieser Auszeit können Investoren in aller Ruhe analysieren, welche Szenarien, die im Sinne eines «Black Swans» auf das Unmögliche sensibilisieren, eingetroffen sind. «Sollten wir mit einigen der Vorhersagen Recht behalten, dann wird dies zu gewaltigen Veränderungen in 2012 führen», so Jakobsen, «ehrlich gesagt hoffen wir natürlich, dass wir mit unseren Einschätzungen falsch liegen.»

(vst/rcv/tno)