Nach anderthalb Jahren Rezession festigt sich die Konjunktur in der Euro-Zone spürbar. Die Privatwirtschaft der 17 Länder legte im August so stark zu wie seit gut zwei Jahren nicht mehr.

Dies geht aus einer veröffentlichten Markit-Umfrage unter 5000 Dienstleistern und Industriebetrieben hervor. «Die Erholung der Euro-Zone entfaltet eine immer grössere Spannbreite, immer mehr Sektoren und Länder finden aus der Rezession heraus», sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Für das laufende Sommerquartal zeichne sich ein Anziehen der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent ab.

Ökonomen reagieren positiv

Im Frühjahr hatten vor allem spendablere Konsumenten und ein besseres Exportgeschäft dafür gesorgt, dass der Euroraum nach gut eineinhalb Jahren den Abwärtsstrudel hinter sich lässt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen April und Juni um 0,3 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat in einer zweiten Schätzung bekräftigte. Für Impulse sorgten die privaten Haushalte, die ihre Ausgaben um 0,2 Prozent erhöhten. Auch die Staaten kurbelten ihren Konsum im Schnitt um 0,4 Prozent an. Die Exporte legten mit 1,6 Prozent stärker zu als die Importe mit 1,4 Prozent.

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Ökonomen reagierten vor allem positiv auf das Comeback der Konsumenten. Allerdings sei die Arbeitslosigkeit immer noch sehr hoch und die verfügbaren Einkommen stünden unter Druck, sagte Analyst Peter Vanden Houte von Global Economics. «Die Erholung bleibt wacklig.»

Ermunternde Daten

Seit Beginn des dritten Quartals setzen sich die ermutigenden Daten fort. Die Dienstleister in der Euro-Zone wachsen nach anderthalbjähriger Pause wieder. Der Einkaufsmanagerindex stieg im August um 0,9 auf 50,7 Punkte. Das Barometer liegt damit wieder über der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum signalisiert.

Zuvor hatte die Industrie bereits die stärksten Produktionszuwächse seit über zwei Jahren vermeldet. Das Markit-Barometer, das die Entwicklung in beiden Sektoren zusammenfasst, stieg um einen auf 51,5 Zähler und kletterte damit auf den höchsten Stand seit gut zwei Jahren.

Einen starken Konjunkturschub erwartet Markit-Experte Williamson jedoch nicht und verwies auf den fortgesetzten Jobabbau bei den Dienstleistern. In Deutschland zeigt sich der Service-Sektor dagegen besonders robust. Dies zeigt nach Markit-Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft «auf dem besten Weg ist, ihren Aufwärtstrend das dritte Quartal 2013 hindurch fortzusetzen». Ähnliche Signale kommen vom Mittelstands-Barometer der KfW und des Ifo-Instituts: «Die Stimmung unter kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland steigt zum vierten Mal in Folge.» Auch Grosskonzerne setzten auf bessere Geschäfte in ihren Absatzmärkten.

IWF rechnet mit Aufwärtstrend

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass es mit der Konjunktur im Euroraum im Sommer weiter aufwärts geht. Dies steht in einem vertraulichen IWF-Papier für den nächsten G20-Gipfel, das Reuters vorlag. Demnach kommt der wesentliche Wachstumsimpuls für die Welt vorerst aus den USA, während sich das Tempo in wichtigen Schwellenländern verlangsamt habe. 

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(reuters/muv/moh)