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Beziehungen
Europa bezirzt Lateinamerika für mehr Handel

Alte Bekannte: Angela Merkel und Evo Morales beim EU-Lateinamerikagipfel 2008. Keystone

Angesichts der EU-Verstimmung mit Russland und Griechenland wandert der europäische Blick wieder vermehrt nach Mittel- und Südamerika.

Veröffentlicht am 09.06.2015

Mit einem Spitzentreffen will die EU den Wirtschaftsbeziehungen zu Lateinamerika neuen Schwung verleihen. Zu dem Gipfel mit der Gemeinschaft der Staaten Lateinamerikas und der Karibik (CELAC) am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel wurden mehr als 40 Staats- und Regierungschefs erwartet, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auf der Agenda steht insbesondere der Ausbau des Handels. Vorarbeiten dazu sollten am Dienstag bereits die Aussenminister der teilnehmenden Staaten leisten.

«Gewisse Stagnation»

Angesichts von Krisen wie beispielsweise im Verhältnis zu Russland oder der griechischen Schuldenfrage waren die Beziehungen zu Lateinamerika zuletzt in den Hintergrund geraten. «Es gab vielleicht eine gewisse Stagnation zwischen der Europäischen Union und den Staaten in Lateinamerika und der Karibik», sagte Benita Ferrero-Waldner. Die Österreicherin ist Präsidentin der EU-LAC-Stiftung, einer zwischenstaatlichen Vereinigung der unter anderem die EU-Staaten sowie die Länder Lateinamerikas und der Karibik angehören.

Wirtschaftlich sind die Beziehungen bereits gut - und sie sollen noch enger werden. Mit 26 der 33 CELAC-Staaten hat die EU Vereinbarungen über bevorzugte Handelsbedingungen getroffen. Ein angestrebtes Abkommen mit dem südamerikanischen Marktbündnis Mercosur könnte die Zahl auf 31 Staaten erhöhen. Aussen vor wären dann nur noch Bolivien und Kuba. Es ist allerdings nicht der erste Anlauf: Die Verhandlungen mit Mercosur sollten schon beim bislang letzten Gipfel 2013 in Chile neuen Schub bekommen.

Glasfaserkabel für direkten Kontakt

Ein Glasfaserkabel soll nach Willen der EU zudem bald direkte Kommunikationsverbindungen zwischen den beiden Kontinenten ermöglichen. Für das Projekt könnte während des Gipfels der Startschuss fallen. Bislang läuft die Kommunikation immer über Nordamerika. «Einige Leute haben dabei ein ungutes Gefühl», sagte ein EU-Diplomat.

Die insgesamt 61 EU- und CELAC-Staaten wollen sich auch bei globalen Herausforderungen enger abstimmen, etwa mit Blick auf die Klimakonferenz in Paris Ende 2015 oder die UN-Sondersitzung zum Thema Drogen im kommenden Jahr.

(awp/chb)

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