Kursschwenk bei der EZB? Entgegen früheren Aussagen führender EZB-Vertreter könnte die Europäische Zentralbank (EZB) unter gewissen Umständen doch griechische Staatsanleihen als Sicherheit im Fall eines kurzfristigen Zahlungsausfalls akzeptieren. Dies sagte der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny im US-Fernsehsender CNBC.

Es gebe eine breite Palette an möglichen Optionen oder Definitionen, die von einem klaren Schuldenschnitt bis zu einem zeitweisen Zahlungsausfall reichen, sagte EZB-Ratsmitglied Nowotny. Eine mögliche Lösung der Griechenlandkrise mit einem «sehr kurzen Kreditausfall» könnte möglicherweise «keine grösseren negativen Auswirken haben».

Zuvor hatte vor allem Deutschland mehrmals eine Beteiligung der privaten Gläubiger an den Griechenland-Hilfen gefordert.

«Das ist unsere eigene Entscheidung»

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet machte dagegen mehrfach deutlich, dass die Notenbank im Fall eines Kreditausfalls keine Anleihen aus Griechenland als Sicherheit akzeptieren werde. Dies würde nach Einschätzung von Experten zu einem Zusammenbruch der Banken in Griechenland führen.

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Abweichend zu Aussagen von Trichet sagte Nowotny, dass es an der EZB liege zu entscheiden, ob Anleihen aus Athen als Sicherheit akzeptiert werden oder nicht. Diese Entscheidung sollte nach Einschätzung des österreichischen Notenbankchefs nicht einzig und alleine von den führenden Ratingagenturen abhängen. «Das ist unsere eigene Verantwortung, unsere eigene Entscheidung», sagte Nowotny.

Allerdings sagte Nowotny auch, dass ein vollständiger Zahlungsausfall Griechenlands vermieden werden muss. Dies hätte sehr gravierende Konsequenzen, insbesondere im Hinblick auf die EZB und die Fähigkeit der Notenbank, griechische Anleihen auch künftig als Sicherheit zu akzeptieren.

(tno/rcv/laf/awp)