Nach dem griechischen Schuldenschnitt werden die schwer berechenbaren Kreditausfallversicherungen fällig. Der Branchenverband ISDA stellte am Freitagabend wie erwartet ein sogenanntes Kreditereignis fest. Mit diesem Begriff ist ein Zahlungsausfall gemeint, der die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps/CDS) auslöst, mit denen sich bestimmte Halter von griechischen Staatsanleihen abgesichert haben.

Die Organisation begründete diesen Schritt auf ihrer Website folgendermassen: Trotz einer hohen freiwilligen Beteiligungsquote wolle Athen alle Halter von Anleihen nach griechischem Recht zum Forderungsverzicht zwingen. Zu diesem Zweck hatte Griechenland vorsorglich bereits ein Gesetz verabschiedet, das die Möglichkeit eröffnet, alte Anleihen rückwirkend mit Zwangsklauseln (Collective Action Clauses/CAC) auszustatten.

Die Entscheidung der in London ansässigen International Swaps and Derivatives Association (ISDA) ist von grosser Bedeutung, weil die Kreditausfallversicherungen während der letzten grossen Finanzkrise eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nachdem CDS-Titel bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 zu einem kolossalen Dominoeffekt und zur Beinah-Pleite des grossen US-Versicherers AIG geführt hatten, sind ihre Auswirkungen gefürchtet.

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Bei den Plänen zur griechischen Umschuldung war bisher alles daran gesetzt worden, dass Kreditausfallversicherungen nicht fällig werden. Es ist aber unklar, welche Folgen die ISDA-Entscheidung nun tatsächlich hat, da niemand weiss, welcher Investor nun Kreditausfallversicherungen besitzt und welche weiteren Effekte eintreten können.

Der Euro reagierte im New Yorker Handel kaum auf das Ereignis. Die Gemeinschaftswährung blieb in ihrer engen Handelsspanne der letzten Stunden zwischen 1,31 und 1,3120 US-Dollar.

(tno/awp)