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Bald EU-weite Regelung für Leerverkäufe

Die EU will destruktive Spekulation verhindern. (Bild: Keystone)

Schon in Kürze soll es laut der EU-Kommission eine einheitliche Regelung zum Verbot von Leerverkäufen in der EU geben. Ein solches Verbot gilt zurzeit nur in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien.

Veröffentlicht am 12.08.2011

Eine Einigung auf ein EU-weites Verbot von sogenannten Leerverkäufen soll bald schon Realität werden: «Die Verhandlungen sind enorm vorangekommen. Wir sind einer Einigung sehr nahe», sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Allerdings ist noch ungewiss, wie weit ein mögliches Verbot gehen wird. Derzeit wird im Europaparlament darüber beraten.

Als Reaktion auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten hatten am Donnerstag die Börsenaufsichten von vier europäischen Ländern vorläufig sogenannte Leerverkäufe von Aktien verbieten lassen. Betroffen sind Frankreich, Italien, Spanien und Belgien, Experten bezweifeln aber, ob die Massnahmen auf Dauer Wirkung zeigen werden. Spekulanten wüden dann einfach auf andere Börsenplätze ausweichen, etwa nach London.

Die deutsche Regierung forderte deshalb ein europaweites Verbot von ungedeckten Leerverkäufen. «Nur so kann einer destruktiven Spekulation überzeugend begegnet werden», sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Bei Leerverkäufen leihen sich Investoren Aktien und verkaufen sie, um sie zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und dem Verleiher zurückzugeben. Das kann Kursausschläge einer Aktie drastisch beschleunigen. Bei ungedeckten Leerverkäufen haben die Investoren die verkauften Papiere sich nicht einmal geliehen, was die Risiken noch erhöht. Zur Absicherung von Kursrisiken erfüllen diese Geschäfte für viele Investoren eine wichtige Funktion.

Verbot auch in der Schweiz

In der Schweiz sind ungedeckt Leerverkäufe seit Jahren generell verboten. In Deutschland sind solche Geschäfte für alle Aktien und für Staatsanleihen der Euro-Länder seit 2010 untersagt. Normale Leerverkäufe der wichtigsten zehn Versicherer- und Bankaktien müssen gemeldet werden.

Anders als sonst sind es diesmal weniger Hedgefonds, die mit Leerverkaufs-Strategien auf einen Kursverfall wetten. Vielmehr sichern sich gewöhnliche Investmentfonds damit gegen Verluste ab.

Gesetzgebungsprozess in der EU steckt bisher fest

Die EU-Finanzminister hatten sich im Mai auf eine strengere Überwachung der Leerverkäufe geeinigt. So sollten ungedeckte Leerverkäufe von Aktien und Staatsanleihen nicht mehr möglich sein: Vielmehr müssten sich Spekulanten die Papiere leihen, mit denen sie wetten. Wegen britischen Widerstandes bleiben aber ungedeckte Leerverkäufe von Kreditausfallversicherungen von dem Verbot ausgenommen. Möglicherweise wird dieses Verbot jedoch in den kommenden Wochen vom Europaparlament erzwungen.

(rcv/laf/sda)

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