Einige Möglichkeiten dafür liessen sich sogar ohne Änderung der europäischen Verträge verwirklichen, sagte Barroso. Zwar erhielt er im Parlament Rückendeckung von Liberalen, Grünen und Sozialdemokraten. Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler sprach sich aber erneut vehement gegen Eurobonds aus: "Sie sind nicht im deutschen Interesse und mit uns nicht machbar", sagte er in Rom nach einem Gespräch mit dem italienischen Finanzminister Giulio Tremonti. Aus Teilnehmerkreisen verlautete, Tremonti habe sich ebenso vehement für Eurobonds ausgesprochen.

Nach Ansicht von Rösler würden Eurobonds das Zinsrisiko "wegnehmen", das dazu anhalte, "dass man sich um seriöse Staatshaushalte kümmert". Die deutsche Regierung werde keine Vergemeinschaftung der Schulden in Europa akzeptieren.

Ringen um Zentralisierung

Barroso erkennt die Schwierigkeit zwar an. Schuldscheine der Euroländer würden "keine sofortige Lösung für alle Probleme" bringen, sagte er. Sie seien kein Ersatz dafür, dass Griechenland seine Sparaufgaben erledige und dass die Wirtschaftspolitik enger verzahnt werde.

Doch geht es nach dem Kommissionschef, dann soll beides gleichzeitig erreicht werden. Er rief vor den Parlamentariern zu einem "Verbündungsmoment" für eine europäische Wirtschaftsregierung auf, die zu soliden Staatsfinanzen und Wachstum gleichermassen führe.

Auch dabei geht Barroso auf Konfrontationskurs zu Berlin. Denn während Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy eine Wirtschaftsregierung aufbauen wollen, die von den Mitgliedsstaaten gesteuert wird, kämpft der Präsident aus Brüssel um den Einfluss der EU-Institutionen, also von Kommission und EU-Parlament.

Krisengespräch mit Papandreou

Am Abend tauschten sich Merkel und Sarkozy telefonisch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou über die Schuldenkrise aus. Papandreou versicherte dabei, Griechenland werde das ihm verordnete harte Sparprogramm einhalten.

"Angesichts der Gerüchte der letzten Tage haben alle betont, dass Griechenland unzertrennlicher Teil der Eurozone ist", hiess es in einer Erklärung des griechischen Regierungssprechers. Griechenland sei entschlossen, alle seine Verpflichtungen zu erfüllen.

Etwas Luft verschaffte sich am Mittwoch auch Italien. Das neue Milliarden-Sparpaket der Regierung von Silvio Berlusconi erhielt in der Abgeordnetenkammer in der abschliessenden Abstimmung eine Mehrheit.

Mit einem Vertrauensvotum hatte Berlusconi die Sparmassnahmen von etwa 54 Milliarden Euro zuvor bereits erfolgreich abgesichert und beschleunigt. Es sieht unter anderem eine höhere Mehrwertsteuer vor.

China reicht die Hand

Im Kampf gegen die Schuldenkrise kann Europa unter Bedingungen auf die Unterstützung Chinas zählen. Die Volksrepublik sei bereit, "eine helfende Hand auszustrecken und mehr in den europäischen Ländern und den USA zu investieren", sagte Ministerpräsident Wen Jiabao zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums (WEF) in der chinesischen Hafenstadt Dalian.

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Wen forderte aber ein Entgegenkommen. So solle die EU Peking als Marktwirtschaft anerkennen. Die Ratingagentur Moody's stufte unterdessen die Kreditwürdigkeit der französischen Grossbanken Crédit Agricole und Société Générale herab. Beide Banken sind besonders stark in Griechenland engagiert.