Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi kommt zunehmend unter Druck: Zwei Abgeordnete von Berlusconis Partei, Alessio Bonciani und Ida D'Ippolito, verliessen am Donnerstag die Mitte-Rechts-Koalition und schlossen sich der oppositionellen christdemokratischen UDC an. Drei Mitglieder der regierungstreuen Partei «I Responsabili» traten der gemischten Fraktion im Parlament bei.

Zwei weitere Berlusconi-Parlamentarier hatten diese Woche das Regierungslager verlassen. Damit kann Berlusconi nur noch mit 314 in der aus 630 Mitgliedern bestehenden Abgeordnetenkammer rechnen. Berlusconis Regierung wackelt immer mehr.

Heikle Abstimmung über das Budget

Eine entscheidende Hürde muss der Premier am kommenden Dienstag bewältigen. Geplant ist in der Abgeordnetenkammer eine heikle Abstimmung über das Budget. Bei einer ähnlichen Abstimmung im Oktober hatte die Regierung eine schwere Niederlage erlitten.

Nächste Woche unterzieht sich der Medienzar ausserdem im Senat einer Vertrauensabstimmung über das Stabilitätsgesetz zur Eindämmung der Verschuldung. Zwar verfügt der Premier im Senat über eine solidere Mehrheit als in der Abgeordnetenkammer. Dem gebeutelten Berlusconi droht jedoch das Aus, sollten ihm weitere Parlamentarier aus seiner Partei den Rücken kehren.

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Aufforderung zum Rücktritt

Sechs Berlusconi-Abgeordnete unterzeichneten einen Brief, in dem sie den Premier zum Rücktritt aufrufen, um einer Allparteienregierung den Weg zu ebnen. Ziel der «Rebellen» ist, eine von Berlusconis Partei «Volk der Freiheit» (PdL/Popolo della Liberta) unabhängige Fraktion im Parlament zu gründen. Daher suchen sie nach weiteren Verbündeten.

PdL-Vorsitzender Angelino Alfano befürchtet eine Massenabwanderung aus der Gruppierung, die vielen Parlamentariern des Berlusconi-Blocks immer mehr wie ein sinkendes Schiff erscheint. Die UDC versuche, Parlamentarier des Premiers zum Ausstieg aus der Regierungskoalition zu bewegen, um eine neue Zentrumspartei zu gründen. «Damit könnte die Regierung stürzen», warnte Alfano.

Innenminister Roberto Maroni, Nummer Zwei der mit Berlusconi verbündeten Regierungspartei Lega Nord, warnte, dass es zu vorgezogenen Parlamentswahlen kommen würde, sollte Berlusconi stürzen. Eine Allparteienregierung, wie sie die Opposition verlangt, schloss Maroni aus.

IWF: Italiens Finanzen werden überwacht

Im Kampf gegen ein Übergreifen der Euro-Krise hat Italien einer Überwachung seiner Staatsfinanzen auch durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zugestimmt. Italien werde sich einem strikten Monitoring sowohl durch die EU-Kommission als auch durch den IWF unterwerfen, hiess es übereinstimmend aus europäischen Kreisen am Rande des G-20-Gipfels im südfranzösischen Cannes. Damit solle das Vertrauen der Märkte in die Solidität Italiens gestärkt werden.

Berlusconi hatte bereits auf dem europäischen Gipfel vor einer Woche einer Überwachung durch die EU-Kommission zugestimmt; der Effekt soll nun durch den international angesehenen IWF verstärkt werden.

Italien war in den vergangenen Tagen massiv unter Druck der Märkte geraten. Das Land gilt wegen seiner Gesamtverschuldung von rund 120 Prozent seiner Wirtschaftsleistung als ein mögliches weiteres Krisenland in der Euro-Zone. Berlusconi hat weitere Sparmassnahmen versprochen, mit denen dies verhindert werden soll.

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(vst/kgh/sda)