1. Home
  2. Konjunktur
  3. Berlusconi wehrt sich gegen S&P-Herabstufung

Berlusconi wehrt sich gegen S&P-Herabstufung

Silvio Berlusconi: «Einschätzung mehr von Medienberichten diktiert» (Bild: Keystone)

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat Italiens Kreditwürdigkeit um eine Stufe gesenkt - Regierungschef Berlusconi hält das für ungerechtfertigt. Er wirft der Agentur vor, von den Medien beeinflusst

Veröffentlicht am 20.09.2011

Die Herabstufung Italiens durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) reflektiert nach Darstellung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi nicht die Realität.

«Die Einschätzung von Standard & Poor's scheint mehr von Medienberichten als von der Realität diktiert worden zu sein. Sie scheint auch von politischen Erwägungen negativ beeinflusst», sagte Berlusconi. Die Regierung habe bereits Massnahmen zur Haushaltssanierung eingeleitet. Schritte zur Förderung des Wirtschaftswachstums seien in Vorbereitung.

«Die Regierung hat stets das Vertrauen des Parlaments bekommen und so Stabilität bewiesen», hiess es ausserdem in einer Mitteilung aus dem Regierungspalazzo Chigi.

Um das Land aus dem Strudel der Schuldenkrise zu ziehen, hatte Berlusconi zwei Sparpakete im Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro per Vertrauensabstimmung verabschiedet.

S&P hat kein Vertrauen in die Regierung

Trotzdem stufte Standard & Poor's nun die Kreditwürdigkeit des Landes von A+ auf A herab. Und es könnte weiter runter gehen: Der Ausblick sei «negativ», teilte S&P mit.

«Die Herabstufung spiegelt unsere Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider», begründete S&P den Schritt. Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus, um gegenzusteuern. Der Regierung bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.

Wegen der Herabstufung drohen Italien nun höhere Zinsen bei der Aufnahme neuer Kredite. Denn je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto grösser erscheint das Risiko, dass der Gläubiger sein Geld nicht wiedersieht. Dieses Risiko lässt sich der Geldgeber durch höhere Zinsen bezahlen.

Euro rutscht ab

Als Reaktion auf die Abstufung Italiens rutschte der Euro deutlich ab. Zeitweise kostete er weniger als 1.36 Dollar. Danach notierte die europäische Gemeinschaftswährung wieder etwas über dieser Marke. Gegenüber dem Franken verlor der Euro seit Montagabend leicht, am Morgen stand er bei 1.2067 Franken. Der Dollar legte hingegen zum Franken etwas zu.

Börsianer erwarteten in der Folge Verluste am europäischen Aktienmarkt, die Talfahrt dürfte sich damit fortsetzen. Händler sprachen von einer Überraschung, da das Rating von S&P ohnehin schon unter dem vom Konkurrenten Moody's gelegen habe.

Italien hat nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand in der Eurozone. Ausserdem leidet das Land unter einem niedrigen Wirtschaftswachstum. Die OECD hatte in ihren jüngsten Prognose für das laufende Jahr Stagnation erwartet. Der Internationale Währungsfonds senkte seine Erwartungen für 2012 von 0,7 auf 0,5 Prozent.

(tno/laf/sda/awp)

Anzeige