Der britischen Bankenaufsicht laufen seit der Aufspaltung in zwei Behörden die Mitarbeiter davon. Die Fluktuation war in den Monaten seit dem Start der FCA und der PRA fast doppelt so hoch wie in normalen Zeiten. Das geht aus Daten hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlagen.

Grossbritannien hatte die Financial Services Authority (FSA) im April aufgelöst. Seither soll die Financial Conduct Authority (FCA) Fehlverhalten in der Branche wie in den Zeiten vor der globalen Finanzkrise verhindern, während die Prudential Regulation Authority (PRA) sich etwa um eine angemessene Kapitalausstattung von Banken und Versicherern kümmert.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Experten fragen sich aber, wie die neuen Behörden angesichts des Verlusts an Erfahrung die erhoffte striktere Kontrolle der Banken durchsetzen können. «Je mehr der Druck auf die Regulierer zunimmt, desto mehr riskieren FCA und PRA Mitarbeiter zu verlieren», sagt Regulierungsexperte Etay Katz von der Kanzlei Allen & Overy. Und weiter: «Daraus kann ein Teufelskreis werden.»

Bei der FCA haben in den ersten sechs Monaten ihres Bestehens etwa 162 von 2575 Mitarbeitern gekündigt, bei der PRA waren es in fünf Monaten 50 von 1080, darunter elf mit befristeten Verträgen. Bei der FCA wurden alle Stellen bis auf 22 neu besetzt, während die PRA heute mit 37 Mitarbeitern weniger auskommen muss.

Zu tiefes Gehalt? 

Der sogenannte «Brain drain» macht auch vor der Führung nicht halt: Die FSA hat im letzten Jahr des Bestehens unter anderem ihren Chef Hector Sants verloren. Bei der PRA ist zuletzt Vize-Chef Paul Sharma gegangen. Sie sind in die Privatwirtschaft gewechselt. Banken und Beratungsfirmen in London haben in den vergangenen drei Jahren massiv Mitarbeiter angeheuert, die sich um die Einhaltung aller Regeln, rechtliche Belange sowie Risikomanagement-Themen kümmern sollen. «Ich mache mir vor allem um die FCA Sorgen. Wie wollen sie hochkarätige Leute bekommen, wenn Banken zwei- bis dreimal so viel zahlen?», fragt Regulierungsexperte Katz.

Bei der FSA liegt das Durchschnittsgehalt bei 75'000 Pfund - das ist schon fast ein Viertel mehr als vor einem Jahr. Londoner Investmentbanken zahlten ihrem Personal im «Compliance»-Bereich 2012 nach Angaben der Personalberatung Alexander Lloyd aber 80'000 bis 130'000 Pfund - Boni noch gar nicht eingerechnet.

EZB auf der Suche nach Personal

Auch in Deutschland haben die Aufsichtsbehörden Probleme, das Personal zu halten. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) sucht händeringend bis zu 770 Aufseher, die von Herbst 2014 an die grössten 130 Banken in der Euro-Zone beaufsichtigen sollen. Für Bundesbank-Mitarbeiter in Frankfurt und ehrgeizige BaFin-Leute in Bonn eine naheliegende Option. Dabei brauchen die nationalen Aufseher nicht weniger Personal, auch wenn die Haupt-Zuständigkeit für die grössten Banken zur EZB wandert.

So müssen künftig Dokumente aller Geldhäuser - bis zur kleinsten Sparkasse - ins Englische übersetzt werden, damit die EZB damit arbeiten kann. Dafür müssten bei der BaFin zusätzliche Planstellen geschaffen werden, heißt es im Umfeld der Aufsicht. 

(reuters/muv/aho)