In der Bank of England herrscht nach wie vor Uneinigkeit über den künftigen geldpolitischen Kurs. Wie aus dem veröffentlichten Protokoll zur jüngsten Zinssitzung hervorgeht, plädierten Mitte April abermals drei Notenbanker für zusätzliche Anleihekäufe in Höhe von 25 Milliarden Pfund.

Sie wurden aber erneut von der restlichen sechs Ausschussmitgliedern überstimmt. Neben Notenbankchef Mervyn King votierten David Miles und Paul Fisher für einen Zukauf am Rentenmarkt. 

Es war bereits das dritte Mal, dass sich Notenbankchef King im geldpolitischen Ausschuss nicht durchsetzen konnte. Die Entscheidung, den Leitzins auf 0,5 Prozent zu belassen, fiel indes einstimmig. Der Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Bank of England refinanzieren können, liegt mittlerweile seit mehr als vier Jahren auf diesem Rekordtief. Das Volumen des Anleihekaufprogramms, das bereits seit Ende 2012 ausgeschöpft ist, beläuft sich auf 375 Milliarden Pfund. 

Der Mitschrift zufolge haben sich die Voraussetzungen für anziehende Unternehmensinvestitionen etwas verbessert. Fundamentaldaten und Stimmungsindikatoren waren zuletzt etwas freundlicher als in den Monaten zuvor ausgefallen. Einige Bankvolkswirte gehen deswegen davon aus, dass der britischen Wirtschaft ein abermaliger Rückfall in die Rezession erspart bleibt. Allerdings dürfte das Wachstum verhalten bleiben, lautet die Meinung des geldpolitischen Ausschusses. 

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Die April-Sitzung war die erste, die unter dem neuen geldpolitischen Rahmenwerk stattfand. Die britische Regierung hatte den Aufgabenbereich der Bank of England Mitte März geändert. Demnach darf die Bank of England künftig die Zinserwartungen mit weit in die Zukunft gerichteten Aussagen steuern. Dazu darf sie auf ökonomisch Zielgrössen zurückgreifen. Ein solches Vorgehen würde dem der US-Notenbank Fed ähneln. Mark Carney, derzeit Chef der Bank of Canada und baldiger Nachfolger Kings, gilt als grosser Anhänger einer solchen Geldpolitik.

(muv/aho/awp)