1. Home
  2. Konjunktur
  3. Britischer Notenbankchef warnt vor Brexit

Debatte
Britischer Notenbankchef warnt vor Brexit

Mark Carney: Der Notenbankchef warnt vor den Folgen eines Brexits. Keystone

Grossbritannien drohe im Falle eines Brexits wirtschaftlicher Schaden, sagt Mark Carney, Chef der Bank of England. Der Finanzplatz London würde durch einen solchen Schritt «zweifellos» geschwächt.

Veröffentlicht am 08.03.2016

Bei einem Austritt aus der EU droht Grossbritannien der Notenbank zufolge ein wirtschaftlicher Schaden. Ein sogenannter Brexit könne die Konjunktur dämpfen, da er Investoren und Verbraucher verunsichern würde, warnte der Chef der Bank of England (BoE), Mark Carney, am Dienstag vor dem Finanzausschuss des Parlaments. Das Pfund dürfte zudem geschwächt und die Inflation angeheizt werden.

Carney betonte zugleich, dass er keine Position in der Debatte über den Verbleib in der EU beziehe. Vor dem Referendum am 23. Juni werde die BoE auch keine Empfehlungen abgeben. Auf die Frage, ob der Finanzstandort London ohne vollen Zugang zum europäischen Binnenmarkt geschwächt werde, antwortete er: «Zweifellos.» Es sei dann zu erwarten, dass einiges an Geschäften abwandern werde. Eine Reihe von Banken bereiteten sich wohl bereits auf ein solches Szenario vor.

Auf kurze Sicht Finanzstabilität in Frage gestellt

Das Finanzviertel Londons hatte sich offen gegen einen Brexit ausgesprochen. Die BoE habe sich kein Urteil darüber gebildet, welche langfristigen Konsequenzen ein EU-Austritt haben würde, sagte Carney. Dies sei auch nicht ihre Aufgabe. Allerdings könne ein Brexit auf kurze Sicht eine Herausforderung für die Finanzstabilität bedeuten. Auch dürften die ausländischen Direktinvestitionen abnehmen.

Er habe sich nicht mit Premierminister David Cameron darüber abgesprochen, wie er das politisch sensible Thema Brexit in der Öffentlichkeit behandeln solle, sagte der Kanadier an der Spitze der britischen Notenbank. Allerdings begrüsse er die Vereinbarung, die Cameron mit der EU erreicht habe. Dieser hatte im Februar für sein Land einen Sonderstatus innerhalb der Europäischen Union herausgeholt. Eine Ausnahmeregelung von einer Verpflichtung zum immer engeren Zusammenwachsen der Europäischen Union soll in einer EU-Vertragsänderung verankert werden.

(reuters/me/mbü)

Anzeige