Nach monatelanger Vorbereitung kommt der neue 50-Euro-Schein in Umlauf. Nach den Banknoten zu fünf, zehn und 20 Euro ist es nun der vierte in der Runde mit neuem Design. Diesmal jedoch ist es ein weit aufwendigeres Unterfangen. Denn rund 46 Prozent aller Euro-Banknoten sind Fünfziger, also fast die Hälfte unseres Bargelds.

Damit werden dieses Mal mehr Scheine ausgetauscht als bei der Einführung der drei anderen neuen Banknoten zusammen. Der Fünfziger ist nicht nur der häufigste Schein in der Euro-Zone. «Es ist seit der Einführung des neuen Zwanzigers auch die am häufigsten gefälschte Banknote», sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele bei der Vorstellung des neuen Scheins. In den vergangenen Monaten ratterten in der ganzen Euro-Zone die Notenpressen und druckten die neu gestalteten Exemplare. 5,4 Milliarden Stück wurden in einer ersten Runde produziert. Sie wiegen rund 5400 Tonnen, und nebeneinander gelegt würden sie eine Fläche von über 58 Quadratkilometern bedecken, also fast den kompletten Staat San Marino.

Zahl in Smaragdgrün

In den nächsten Tagen werden die Scheine an die Geschäftsbanken verteilt, sodass die Europäer den neuen Schein pünktlich am 4. April in den Händen halten können. Auf den ersten Blick werden die meisten dabei nur wenige Unterschiede zur alten Version entdecken, allenfalls den etwas kräftigeren Farbton und die perspektivisch leicht veränderten Abbildungen. Doch die Neuerungen verbergen sich in Details und sollen vor allem die Fälschungssicherheit erhöhen. Daher sollten sich Verbraucher unbedingt mit den neuen Merkmalen vertraut machen.

Wie schon bei den neuen Fünf-, Zehn- und 20-Euro-Scheinen erscheint auch beim neuen Fünfziger die Wertzahl in Smaragdgrün. «Es ist das auffälligste und bekannteste Merkmal der neuen Serie», sagt Thiele. Die Farbe der Zahl ändert sich, wenn man die Banknote kippt. Ein echter Schein verfügt zudem über eine Riffelung am linken und rechten Rand der Vorderseite.

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Auch beim Hauptmotiv, bei der Schrift und der grossen Wertzahl kann ein Relief ertastet werden. Ein wichtiges neues Sicherheitsmerkmal ist auch das Porträtfenster mit Hologrammen in dem aufgedruckten Silberstreifen, so, wie es auch schon auf dem neuen 20-Euro-Schein enthalten ist. Sobald man den Schein gegen das Licht hält, wird das Hologramm durchsichtig, und in dem transparenten Fenster erscheint das Porträt der mythischen Gestalt der Europa. Hinzu kommen noch einige Sicherheitsmerkmale, die mit blossem Auge nicht zu erkennen sind, wie mit einer Mikroschrift versehene Details oder Farbveränderungen, die nur unter UV-Licht oder Infrarotlicht auftreten. Diese Merkmale werden vor allem in Automaten geprüft.

Auch Kyrillisch

Beim Design hat sich dagegen nicht viel getan, wie auch schon bei den anderen drei Scheinen, die bereits in einer neuen Version in Umlauf sind. Weiterhin werden Brücken und Fenster aus der Zeit der Renaissance gezeigt, bei denen es sich nach wie vor um rein fiktive Darstellungen ohne reales Vorbild handelt. Sie stehen stellvertretend für die Epoche, und so wird vermieden, dass ein einzelnes Land bevorzugt wird, wie es der Fall wäre, wenn ein konkretes Motiv gezeigt würde.

Ebenfalls analog zu den neuen Fünf-, Zehn- und 20-Euro-Scheinen erhält auch der neue Fünfziger die Währungsbezeichnung «Euro» in kyrillischen Lettern, neben den lateinischen und griechischen Buchstaben. Damit wird der Tatsache Tribut gezollt, dass Bulgarien seit 2007 Mitglied der EU ist. Denn die Gestaltung der Scheine orientiert sich nicht daran, wer bereits den Euro eingeführt hat, sondern daran, wer Mitglied der EU ist. Doch seit der Einführung des Euro ist nicht nur Bulgarien als EU-Mitglied hinzugekommen, auch diverse andere Länder traten erst danach bei. Daher wurde auch die Europa-Karte auf der Rückseite des Scheins überarbeitet. So sind dort nun beispielsweise auch Malta und Zypern eingezeichnet – auch dies war aber bereits bei den drei anderen neuen Scheinen der Fall.

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Keine nationale Kennzeichnung der Banknoten mehr

Ein kleines Detail unterscheidet jedoch das Design des neuen Fünfzigers von den drei anderen neuen Banknoten. Es findet sich am linken Rand der Vorderseite in der Reihe der Buchstabenkürzel, die Abkürzungen für «Europäische Zentralbank» (EZB) in den diversen Landessprachen. Auf den alten Euro-Scheinen waren fünf Kürzel zu sehen, auf den neuen Scheinen zu fünf, zehn und 20 dann neun, und nun, auf dem neuen Fünfziger, sind es zehn.

Neu hinzugekommen ist die kroatische Variante ESB, denn Kroatien trat 2013 als bislang letztes Land der EU bei. Damals war die Herausgabe der drei anderen neuen Banknoten schon im Gange oder das Design schon fertiggestellt. Erst nun, beim Fünfziger, konnte das neue Kürzel hinzugefügt werden. Ein anderes Merkmal, das sich auf die Mitgliedsländer der EU bezog, wird dagegen obsolet. Denn der Anfangsbuchstabe der Seriennummer kennzeichnete auf den alten Scheinen stets, welche nationale Notenbank den Druck des jeweiligen Scheins verantwortete. Alle Scheine, deren Nummer mit X begann, waren beispielsweise von der Deutschen Bundesbank in Auftrag gegeben worden.

Bei den neuen Fünfzigern – wie auch schon bei den anderen neuen Scheinen – beginnt die Seriennummer jedoch stets mit zwei Buchstaben, die nicht mehr auf ein Land verweisen, sondern nur noch auf eine Druckerei. Und da die Druckereien inzwischen Aufträge verschiedener Notenbanken ausführen, können die neuen Banknoten nicht mehr einer Notenbank zugeordnet werden.

Alte Scheine weiter gültig

Schliesslich hat der neue Fünfziger noch etwas mit dem neuen 20-Euro-Schein gemein, was beide wiederum vom neuen Fünfer und Zehner unterscheidet: Im Gegensatz zu diesen sind sie nämlich nicht lackiert. Dieser Lack soll die Haltbarkeit der beiden Scheine mit dem kleinsten Wert erhöhen, da diese besonders häufig eingesetzt werden. Beim 20- und nun auch beim 50-Euro-Schein schien dies der EZB jedoch nicht nötig.

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Nachdem der neue Fünfziger nun Anfang April in Umlauf gekommen ist, beginnen auch schon die Vorbereitungen für die beiden letzten Scheine, die noch ersetzt werden müssen, jene zu 100 und 200 Euro. Sie sollen im kommenden Jahr in Umlauf gebracht werden. Und parallel dazu wird dann die Ausgabe des 500-Euro-Scheins eingestellt, denn dieser soll nach einem Beschluss der Europäischen Zentralbank nach und nach aus dem Verkehr gezogen werden. Allerdings behalten die Scheine unbegrenzt ihren Wert, so wie auch die alten Versionen der anderen Banknoten.

Dieser Artikel erschien zuerst in der «Welt» unter dem Titel «Das müssen Sie über den neuen Fünfziger wissen».