Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) senkte seine Wachstumsprognosefür Deutschland für dieses Jahr von zuvor 0,9 auf 0,7 Prozent. Auch für 2014 wird ein deutlich geringeres Wachstum von 1,6 Prozent Wachstum erwartet, nachdem DIW-Präsident Marcel Fratzscher zuvor noch von 2 Prozent ausgegangen war. Die Krise der meisten europäischen Volkswirtschaften werde 2013 den Welthandel erheblich bremsen, warnte die Welthandelsorganisation (WTO) am Mittwoch.

DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner gab sich für den weiteren Jahresverlauf in Deutschland dennoch zuversichtlich: «Die deutsche Wirtschaft kann sich von der schwierigen Lage in den Nachbarländern weiter entkoppeln und wächst kräftig, auch wenn wegen des schwachen Starts in das Jahr die Wachstumsrate 2013 noch recht niedrig ausfällt.»

Vor allem der private Konsum - durch die steigende Beschäftigung und merkliche Reallohnzuwächse gefördert - stütze die Wirtschaft. Die Zahl der Erwerbstätigen erreiche Rekordhöhen: Allein in diesem Jahr werde sie um knapp 200'000 auf fast 41,8 Millionen Beschäftigte steigen. In keinem anderen grossen Land des Euroraums steige die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr.

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Risiken in Italien und Frankreich

Risiken gehen nach Einschätzung von DIW-Präsident Fratzscher vor allem von der Entwicklung in Italien und Frankreich aus. «Die Unsicherheit ist massiv.» Die beiden grössten Euro-Volkswirtschaften nach Deutschland bereiten auch der EU-Kommission vor allem wegen ihrer Exportschwäche Sorgen. In beiden Ländern seien die Löhne zu hoch und die Schuldenberge gewachsen, erklärte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn in Brüssel.

Die stärksten Fehlentwicklungen wiesen aber derzeit Spanien und Slowenien auf. Die Regierungen in Madrid und Ljubljana müssten der Schieflage schnell gegensteuern: «Starkes politisches Handeln ist dringend nötig».

Tiefere Prognosen

Wegen der Unsicherheiten hatten bereits eine Reihe von Instituten ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft gesenkt. Die meisten sind jedoch optimistischer als die Bundesregierung mit ihrer Vorhersage von 0,4 Prozent und die Wirtschaftsweisen mit 0,3 Prozent. So erwartet das Institut für Wirtschaftsforschung Halle sogar 1,3 Prozent. Das Ifo-Institut geht bisher von einem Plus von 0,7 Prozent aus.

Von Deutschland forderte Rehn angesichts der Ungleichgewichte in Europa, den inländischen Konsum noch mehr zu fördern. "Deutschland sollte seine Binnennachfrage durch Strukturreformen stärken", sagte der EU-Kommissar. Konkret gehöre dazu, den Markt für Dienstleistungen zu öffnen, den Anteil von Frauen an den Erwerbstätigen zu steigern und die Löhne entsprechend des Produktivitätsfortschritts anzuheben. Rehn lobte: «Da gibt es Fortschritte, die Binnennachfrage kommt auf Touren.»

Unsicherheit beim Euro

Auch die WTO bescheinigt der deutschen Wirtschaft Robustheit. Dass der Welthandel weiter nur unterdurchschnittlich wachse, daran habe massgeblich der wirtschaftliche Rückgang in Europa sowie insbesondere «die wiederkehrenden Perioden von Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft des Euro» Schuld.

«Dabei erweist sich Deutschlands Volkswirtschaft im Vergleich weiter als relativ widerstandsfähig», sagte WTO-Generaldirektor Pascal Lamy bei der Vorstellung des Welthandelsberichts. Nach nur 2 Prozent im Jahr 2012 könne für dieses Jahr jedoch wenigstens ein Plus von 3,3 Prozent für den Welthandel erwartet werden. Damit korrigierte die WTO jedoch frühere Prognosen von 4,5 Prozent erneut deutlich nach unten. Zugleich liegen die Erwartungen für das Handelswachstum damit einmal mehr klar unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte von rund 5 Prozent.

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