Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Das Bruttoinlandprodukt stieg von Juli bis September um 0,1 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung nach korrigierten Zahlen geringfügig um 0,1 Prozent statt wie bisher angenommen 0,2 Prozent geschrumpft, auch weil die zahlreichen Krisenherde rund um den Globus Unternehmer verunsicherten. Bei zwei Minusquartalen in Folge sprechen Experten von Rezession.

Verantwortlich für das preis-, saison- und kalenderbereinigte Wachstum von 0,1 Prozent seien vor allem die privaten Haushalte, die ihre Ausgaben kräftig erhöht hätten, teilten die Statistiker mit. Ausserdem habe der deutsche Export die Wirtschaft gestützt. Die Investitionen hingegen seien insgesamt zurückgegangen.

Nur eine Konjunkturdelle

Für das vierte Quartal befürchten Ökonomen ein ähnlich schwaches Wachstum. Jörg Krämer von der Commerzbank begründet dies damit, dass die Auftragseingänge und das Ifo-Geschäftsklima in der Tendenz nach unten zeigten.

Er ist sich aber sicher: «Deutschland wird keine Rezession durchmachen, sondern steckt nur in einer Konjunkturdelle. Sie geht vor allem darauf zurück, dass die Nachfrage aus den Schwellenländern seit Jahresanfang etwas langsamer wächst.»

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Vertrauensverlust in die Politik

Andere Ökonomen sind pessimistischer. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagt: «Die Konjunktur läuft nur mit halber Fahrt. Das schwache Wachstum im dritten Quartal zeigt, wie die deutsche Wirtschaft unter den internationalen Krisen leidet, aber auch unter einem Vertrauensverlust in die heimische Politik.» Ausserdem sei nicht sicher, ob die Konjunkturdelle schon überwunden sei.

«Daher ist es umso wichtiger, dass die Politik entschieden gegen steuert und mit den richtigen Signalen Vertrauen in der Wirtschaft wiederherstellt. Dann löst sich auch die Investitionsbremse», meint Wansleben.

Kräftiges Wachstum im Vorjahresvergleich

Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 legte das Bruttoinlandprodukt um 1,2 Prozent zu. Auch für das Gesamtjahr 2014 dürfte es zu einem Wachstum von rund 1,2 Prozent reichen, sagen die meisten Experten voraus.

Für das kommende Jahr gehen die Prognosen aber auseinander: Während die Bundesregierung eine leichte Beschleunigung auf 1,3 Prozent erwartet, gehen die Wirtschaftsweisen von einem Rückgang auf 1,0 Prozent aus.

(sda/awp/reuters/ise/ama)

Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone

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Griechenland: 0,7 Prozent Bip-Wachstum Die griechische Wirtschaft ist im Sommerquartal spürbar um 0,7 Prozent gewachsen. So stark wie kein anderes Land in der Euro-Zone. Nach sechs Rezessionsjahren kann das Land erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission rechnet im nächsten Jahr mit knapp drei Prozent Wachstum. photoantenna/flickr/CC

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