Das Jahr fängt ja gut an. Im siebten Jahr der Finanzkrise stellen die Krisenmanager fest, dass ihre Rezepte versagt haben.

Das Heilmittel für Griechenland und die anderen europäischen Krisenländer habe nicht wie erwartet funktioniert und die Patienten noch kränker gemacht, gestand der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard. Und der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht entschärfte die neuen Liquiditätsvorschriften für grosse Banken. Aus Angst vor negativen Auswirkungen auf das Wachstum hatte er dem Druck amerikanischer und europäischer Banken nachgegeben.

Damit krebsen zwei Hauptakteure des internationalen Krisenmanagements zurück. Die Probleme sind längst nicht gelöst. Die Nothelfer schlingern und schlenkern bedenklich.

Regelmässig überoptimistische Prognosen

Zusammen mit den europäischen Partnern und der Europäischen Zentralbank (EZB) zwang der IWF Griechenland, Irland, Portugal und indirekt auch Spanien einen Sparkurs auf, der die Länder tiefer ins Schlamassel drückte. Wie Blanchard und sein Kollege Daniel Leigh in ihrer neuesten Untersuchung feststellen, unterschätzte der IWF – und viele Ökonomen mit ihm – die Wirkungen der Sparmassnahmen und Steuererhöhungen. Die Prognosen erwiesen sich regelmässig als zu optimistisch.

Der IWF war aufgrund der Daten vor 2008 von einem Fiskalmultiplikator von rund 0,5 ausgegangen – eine Reduktion der Staatsausgaben um 1 Milliarde hätte demnach das Bruttoinlandprodukt nur um eine halbe Milliarde reduziert. Nach neuer Erkenntnis lag der Multiplikator für die europäischen Länder in den Krisenjahren jedoch eher bei 1,5. Staatliche Kürzungen um 1 Milliarde liess die Wirtschaftsleistung um 1,5 Milliarden schrumpfen.

Natürlich müssen Länder mit hohen Staatsdefiziten und Schulden sparen. Aber heftige Bremsmanöver würgen das Wachstum ab und verschlimmern die missliche Lage. Mehr Arbeitslose, mehr Firmenpleiten, längere Rezessionen und mehr Schulden waren die Folge.

War da nicht mal was mit US-Ramschhypotheken?

Die Euro-Zone braucht jedoch unbedingt mehr Wachstum, um sich aus dem Schuldensumpf zu befreien. Seit die EZB die Lage beruhigte mit ihrem Versprechen, in unbegrenztem Umfang Staatsanleihen der bedrängten Euro-Krisen-Staaten aufzukaufen, scheint der Reformwille in der Euro-Zone jedoch erlahmt.

Die Abschwächung der Liquiditätsvorschriften für die Banken ist in dieser Situation kein beruhigendes Signal. Schon die Eigenkapitalanforderungen wurden abgeschwächt. Die Eigenmittelquote bleibt manipulierbar, die Übergangsfristen sind lang. Die harte Leverage Ratio, das Verhältnis von Eigenkapital zur gesamten Bilanzsumme, wurde auf lediglich -3 Prozent festgelegt. Nur die Schweiz geht weiter und schneller voran.

Nach all den Verlusten, Betrügereien und Skandalen gelten die Bilanzen der grossen Banken als Black Box. Die Lockerung der Vorschriften erhöht das Vertrauen in die Sicherheit nicht. Neu sollen gar hypothekenbesicherte Wertpapiere zu den hochliquiden Aktiva gezählt werden können. War da nicht mal was mit US-Ramschhypotheken mit AAA-Rating?

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Banken und Staaten in Teufelskreis verbunden

Die Regeln werden bezeichnenderweise nicht gelockert, weil sie zu streng gewesen wären. Sondern weil man hofft, dass die Banken so wieder mehr Kredite vergeben und das Wachstum ankurbeln.

Es ist ein Teufelskreis. Die Banken mit hoher Liquidität vergeben kaum Kredite. Und die Banken der europäischen Krisenländer sind voll mit zweifelhaften Anleihen ihrer Staaten. Am Schluss hängen alle – Staaten und Banken – am Tropf der Zentralbank.

Noch ist kein Ende in Sicht. Der Kampf gegen die Krise geht 2013 in die Verlängerung.