Das Land werde alles tun, um seine Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern zu erfüllen, sagte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos am Sonntag im griechischen Fernsehen nach einer Dringlichkeitssitzung des Ministerrates. «Die Lage ist kritisch"», sagte Venizelos.

Die Immobiliensteuer werde für zunächst zwei Jahre gelten. Nur mit dieser Massnahme könnten die Regierungen verschiedener EU-Staaten jetzt überzeugt werden, dass die Griechen es ernst meinten.

Nach der neuen Steuer müssen die Griechen pro Quadratmeter Wohnfläche von 0,50 Euro in ärmeren Wohngebieten bis zu zehn Euro in den vornehmsten Stadtviertel bezahlen. Im Durchschnitt seien vier Euro Abgabe pro Quadratmeter fällig.

Griechische Medien schätzten, dass der Staat gut zwei Milliarden Euro jährlich kassieren wird. Die neue Steuer könne schnell erfasst werden, da Besitzer und Flächen von Wohnungen und Häusern bekannt seien, hiess es. Die Steuer soll zwei Jahre lang erhoben werden.

Venizelos kündigte zudem an, dass jeder gewählte Volksvertreter - vom Präsidenten der Republik bis zum Gemeindepräsidenten - ab sofort ein Monatsgehalt weniger erhält.

Immer tiefer in Rezession

Die Lage in Griechenland hatte sich zuletzt weiter zugespitzt. Die Regierung in Athen erwartet einen noch stärkeren Wirtschaftseinbruch als bislang angenommen.

Finanzminister Venizelos machte am Samstag einen düsteren Ausblick. Die griechische Wirtschaft gerate immer tiefer in die Rezession. «Die Prognose war im Mai minus 3,8 Prozent. Jetzt übertreffen wir die (minus) fünf Prozent», erklärte er in Thessaloniki. Damit würden auch die Prognosen der EU unterboten.

Hintergrund der neuen Vorhersagen seien die Sparpolitik der Regierung, aber auch psychologische Gründe, erläuterte Venizelos. Viele Menschen zögen ihr Geld von den Banken ab und investierten es nicht. Investitionen seien aber dringend notwendig.

Der Minister rief seine Landsleute auf, die Hilfen der anderen Europäer anzuerkennen und sich anzustrengen, um die Finanzkrise zu überwinden. Griechenland bekomme eine «noch nie da gewesene» Hilfe von insgesamt 219 Milliarden Euro.

Für Griechenland seien die nächsten zwei Monate von entscheidender Bedeutung. Alle angestrebten Reformen müssten in die Tat umgesetzt werden.

«Titanenkampf»

Ministerpräsident Giorgos Papandreou kündigte einen «Titanenkampf» gegen einen drohenden Bankrott seines Landes an. Er sei entschlossen, alles zu tun, damit Griechenland Euroland bleibe, sagte Papandreou in Thessaloniki. Dafür müssten seine Landsleute weitere Opfer bringen.

Am Rande einer Messeeröffnung in Thessaloniki, an der Papandreou und Venizelos aufgetreten waren, kam es am Samstag bei Protesten gegen den harten Sparkurs der Regierung zu Zusammenstössen zwischen tausenden Demonstranten und der Polizei.

Um die Fortschritte beim Sparkurs zu überprüfen, werden Kontrolleure der «Troika» aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) am Mittwoch wieder in Athen erwartet. Sie hatten Athen Anfang September vorübergehend verlassen - Griechenland müsse den Budgetplan für 2012 überarbeiten und Strukturreformen angehen.

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Schäubles Zweifel

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble zweifelt, dass Griechenland sein Ziel erreichen wird. Griechenland habe die Voraussetzungen für die Auszahlung der nächsten Hilfstranche bisher nicht erfüllt, sagte Schäuble nach dem G7-Treffen in Marseille. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Zweifel, warb aber für Geduld.

(laf/sda)