Die EZB will trotz der lauter werdenden Kritik aus Deutschland von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik nicht abrücken. «Ein sehr erhebliches Ausmass an geldpolitischer Unterstützung wird immer noch benötigt», sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Zwar legten Stimmungsbarometer nahe, dass die wirtschaftliche Erholung der Euro-Zone an Schwung gewinne. Schleppende Reformen bremsten jedoch. Und die Kerninflation sei noch immer zu niedrig. In dieser werden die schwankungsanfälligen Öl- und Lebensmittelpreise ausgeklammert.

Die Leitzinsen wurden von der Notenbank nicht angetastet. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt damit weiterhin auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Auch an den insbesondere in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufen machten die Euro-Wächter keine Abstriche. Sie sollen bis mindestens Ende 2017 laufen und dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen.

Euro deutlich im Plus

Die EZB bekräftigte zudem, die Schlüsselsätze würden weit über die Zeit des Anleihen-Kaufprogramms hinaus auf dem aktuellen Niveau oder sogar noch niedriger liegen. Draghi wiederholte in seinen Eingangsbemerkungen auf der Pressekonferenz allerdings nicht mehr den Satz, dass die EZB notfalls alle verfügbaren Instrumente nutzen werde.

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Dies schob den Euro an. Die Gemeinschaftswährung kletterte um bis zu 0,7 Prozent auf ein Sechs-Tageshoch von 1,0615 Dollar nach 1,0557 Dollar vor Beginn der EZB-Pressekonferenz. «Draghi nimmt damit verbal den Fuss vom Gaspedal und wirkt etwas falkenhafter», sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Das helfe dem Euro auf die Sprünge.

Auch gegenüber dem Franken wertete sich der Euro auf. Er kletterte zunächst auf ein Tageshoch von 1,075 Franken, danach verlor er einen Teil der Gewinne und kostete noch 1,073 Franken. Vor der Medienkonferenz bewegte sich der Euro bei 1,071 Franken. Staatsanleihen fielen in der Gunst der Anleger. Im Gegenzug kletterte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf ein Monatshoch. Auch Schweizer Obligationen legten deutlich zu, die Rendite stieg auf den höchsten Stand seit 16 Monaten.

Inflation über dem Ziel der EZB

Aus Deutschland kamen dennoch kritische Stimmen. «Die EZB hat erneut die Chance verpasst, den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik einzuleiten», kommentierte die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel. Aus Sicht des Ifo-Präsidenten Clemens Fuest wäre es besser gewesen, die Anleihenkäufe ab Mai weiter zu senken. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich vor dem Zinsbeschluss bereits für einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik ausgesprochen: «Je länger die Niedrigzinsphase andauert, umso grösser werden die Belastungen.»

Die Inflation im Währungsraum war im Februar auf 2,0 Prozent nach oben geschnellt und hatte leicht das EZB-Ziel übertroffen. In Deutschland zogen die Preise um 2,2 Prozent an, in Spanien verteuerten sich Waren und Dienstleistungen sogar um 3,0 Prozent.

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(reuters/me/gku)


 

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