Der Italiener Mario Draghi soll Jean-Claude Trichet als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) ablösen. Am Montagabend sprachen die Finanzminister der Euroländer ihre Empfehlung für den 63-jährigen Chef der italienischen Notenbank aus.

Jean-Claude Trichet scheidet Ende Oktober turnusmässig aus dem Amt aus. Es gab keinen weiteren Kandidaten, sagte Jean-Claude Juncker, der Vorsitzende der Finanzminister der Eurozone.

Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der Staats- und Regierungschefs der Eurozone. Am 24. Juni müssen sie bei ihrem Gipfel grünes Licht für die Entscheidung geben. Frankreich und Italien hatten die Kandidatur Draghis schon länger befürwortet. In der vergangenen Woche signalisierte auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Unterstützung. Für Draghi ist das wichtig, denn eine Zustimmung des wirtschaftlich stärksten Eurolandes gilt als entscheidend, wenn es um die Besetzung des EZB-Postens geht.

Duisenberg, Triche, Draghi?

Der Italiener sei eine "sehr interessante und erfahrene Persönlichkeit" und stehe "unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe", sagte die deutsche Kanzlerin.

Draghi wurde am 3. September 1947 in Rom geboren. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er absolvierte sein Wirtschaftsstudium in Rom, anschliessend promovierte er in den USA. Bevor er Ende 2005 zur italienischen Notenbank kam, arbeitete Draghi als Vizepräsident bei der US-Investment-Bank Goldman Sachs.

Draghi würde als dritter Präsident nach dem Niederländer Wim Duisenberg und dem Franzosen Trichet die Zentralbank führen. Die EZB ist neben der US-amerikanischen Federal Reserve weltweit die wichtigste Notenbank - zuständig für die Währung von 17 Ländern mit rund 330 Millionen Einwohnern.

(laf/tno/awp)

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