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Verbriefung
Draghi will totgesagte ABS wiederbeleben

Mario Draghi: SPricht sich für ABS aus.   Keystone

Europas führende Notenbanken bringen die ABS zurück ins Spiel. EZB und Bank of England wollen den in Verruf geratenen Verbriefungsmarkt wiederbeleben.

Veröffentlicht am 11.04.2014

In einem am Freitag veröffentlichten Papier schlagen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) vor, künftig zwischen hochqualitativen und weniger hochwertigen Verbriefungen zu unterschieden. Damit soll insbesondere die schwache Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen in Gang gebracht werden, unter der insbesondere südeuropäische Länder leiden.

Die Initiative richtet sich auf forderungsbesicherte Wertpapiere, so genannte Asset Backed Securities oder ABS. Das sind Anleihen, die mit verschiedenen Arten von Kreditforderungen wie Hypotheken, Unternehmens- oder Verbraucherdarlehen abgesichert sein können. Als Sicherheiten werden regelmässig Forderungen gegen mehrere Schuldner verwendet, weswegen auch von Kreditpaketen die Rede ist.

Ausfälle in Europa geringer

Die Papiere sind in der Hypothekenkrise in den USA stark in Verruf geraten, weil die verwendeten Sicherheiten reihenweise ausgefallen sind und die Wertpapiere in der Folge massiv an Wert verloren haben. In ihrem Papier verweisen die Notenbanken darauf, dass die Ausfallquoten in den USA wesentlich höher als in Europa gewesen seien. Von 2007 bis 2013 seien in Europa im Schnitt lediglich 1,5 Prozent aller Papiere ausgefallen. In einzelnen Bereichen seien die Ausfälle sogar noch geringer gewesen.

In den USA habe die entsprechende Ausfallquote mit 18,4 Prozent hingegen deutlich höher gelegen. Dennoch hat auch der Ruf europäischer ABS seither stark gelitten. Zur Unterscheidung zwischen «guten» und «schlechten» ABS wollen die Notenbanken an ihre eigenen Sicherheitenregeln anknüpfen. Dementsprechend müssten die Papiere möglichst einfach strukturiert, ausreichend gekennzeichnet und transparent ausgestaltetet sein, heisst es in dem Dokument.

Zu wenig zwischen Verbriefungsarten differenziert

Derartige ABS-Papiere sollen im Gegenzug einer weniger strengen Regulierung unterworfen werden. Gegenwärtig werde in der Regulierung zu wenig zwischen einzelnen Verbriefungsarten differenziert. Wie EZB-Chef Mario Draghi Anfang April erklärt hatte, sieht die Notenbank in einem funktionierenden ABS-Markt einen guten Ansatzpunkt, um gegen die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation im Währungsraum vorgehen zu können. Dazu könnten ABS in grossem Stil angekauft werden, was einer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik entspräche.

Seit der Finanzkrise funktionieren die ABS-Märkte nicht mehr. Kreditverbriefungen seien gebrandmarkt, heisst es in dem Papier der beiden Notenbanken. Das wollen EZB und BoE nun ändern.

(reuters/se)

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