Die Europäische Kommission hat ihre Wachstumsprognosen für die zweite Jahreshälfte deutlich nach unten korrigiert.

Nach einem guten ersten Quartal habe sich das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr kontinuierlich abgeschwächt, schreibt die  Kommission in ihrem Konjunkturausblick. In der zweiten Jahreshälfte werde das Wachstum gedämpft bleiben und zum Jahreswechsel «nahezu zum Erliegen kommen.»

Konkret erwartet die Kommission für das dritte und vierte Quartal ein Wachstum von jeweils 0,2 Prozent. Bisher war sie von 0,5 Prozent im dritten und 0,4 Prozent im vierten Quartal ausgegangen. Für die Eurozone rechnet sie im dritten Quartal mit 0,2 und 0,1 Prozent Wachstum (bisher je 0,4 Prozent). Für das gesamte laufende Jahr wächst die Wirtschaft der EU gemäss den Schätzungen um 1,7 Prozent, jene der Eurozone um 1,6 Prozent.

Aussichten verschlechtern sich

«Die Aussichten für die europäische Wirtschaft haben sich verschlechtert», kommentierte EU-Währungskommissar Oli Rehn die Zahlen bei der Präsentation des Berichts in Brüssel. Die Inlandsnachfrage bleibe gedämpft. Zudem habe sich die Staatsschuldenkrise verschlimmert und die Turbulenzen am Finanzmarkt wirkten sich negativ auf die Erholung aus.

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Die weiteren Aussichten sind trüb. Die Risiken seien «aussergewöhnlich hoch», erklärte Rehn. Einen Rückfall in die Rezession befürchten die Experten nach eigenen Angaben aber nicht.

Bei der Inflation zeichnet sich eine Entspannung ab. Für das laufende Jahr erwartet die Kommission eine Teuerung von 2,9 Prozent. Bisher ging sie von 3,0 Prozent aus. In der Eurozone erhöhen sich die Preise voraussichtlich um 2,5 Prozent (bisherige Schätzung: 2,6 Prozent).

Positive Effekte vom Arbeitsmarkt

Positive Effekte erhofft sich Rehn vom Arbeitsmarkt. Dort gab es heute mit einem leichten Anstieg der Beschäftigtenzahlen «relativ gute Nachrichten» zu vermelden, wie der EU-Wirtschaftskommissar betonte.

Positive Effekte verspricht sich Rehn aber vor allem vom Abbau öffentlicher Schulden. Er rief die Mitgliedsländer erneut dazu auf, dringend die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen, Strukturreformen voranzubringen und so das Vertrauen in die Europäische Wirtschaft wieder herzustellen.

Die nächste, noch längerfristigere Prognose für alle EU-Mitgliedsstaaten wird im November veröffentlicht.

(laf/tno/sda)