Italiens Gewerkschaften rechnen mit einem düsteren Herbst: Wegen der negativen Auswirkungen des milliardenschweren Sparpakets der Regierung Berlusconi und der flauen Konjunktur dürften im Herbst 88'000 Jobs wegfallen.

Am stärksten belastet ist die Baubranche, in der 59'000 Jobs gestrichen werden, wie aus Prognosen des Verbands der italienischen Handelskammern Unioncamere hervorgeht.

Vom Beschäftigungsrückgang besonders betroffen ist Süditalien. 41'000 Stellen werden hier im Herbst gestrichen, das sind viermal so viel wie in den industriereichen Regionen des Nordostens Italiens, geht aus dem Unioncamere-Bericht hervor. Die meisten Stellen werden in Kleinunternehmen wegfallen.

Besonders schwierig ist die Lage der jungen Italiener. 28 Prozent der Italiener unter 35 Jahren seien wegen ihres geringen Gehalts nicht in der Lage, Geld zu sparen. 58 Prozent aller Jugendlichen unter 35 Jahren geben ihr gesamtes Einkommen aus. Fünf Prozent seien gezwungen, sich zu verschulden. 40 Prozent leben in Miete.

Anzeige

Proteste gegen Lockerung des Kündigungsschutzes

Italiens stärkster Gewerkschaftsverbands CGIL will bei einem Treffen am kommenden Dienstag das Datum eines Generalstreiks gegen die Sparpolitik der Regierung Berlusconi bekanntgeben. Der Gewerkschaftsverband bemängelt, dass das Sparprogramm keinerlei wirtschaftsfördernden Massnahmen enthalte.

Heftiger Protest löste bei den Gewerkschaften auch der Plan der Regierung aus, das Arbeitsrecht zu reformieren. Ziel ist demnach eine Flexibilisierung der bisher zumeist zentral geregelten Arbeitsverträge. Die Änderung des Arbeitsrechts war eine Schlüsselforderung der Europäischen Zentralbank (EZB) an Italien. Auch der Kündigungsschutz soll gelockert werden. Drei nationale Feiertage sollen auf Sonntag verlegt werden, um die Produktivität im Land zu steigern.

Auch Kommunen und Regionen gehen gegen die Einsparungen der Regierung auf die Barrikaden. 34 von 110 Provinzregierungen sollen abgeschafft werden. Gemeinden unter 1000 Einwohnern sollen mit anderen fusioniert werden. In Regionen, Provinzen und Kommunen ist ein Abbau von bis zu 50'000 Stellen vorgesehen. Die Regierung will bei den Finanzierungen für die lokale Verwaltung bis zu neun Milliarden Euro einsparen.

(sda/tno)