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England: Das Mutterland in sozialer Schräglage

In Sachen Marktwert der absolute Überflieger: Wayne Rooney von Manchester United. (Bild: Keystone)

Sind Sie bereit für die Fussball-EM? «Handelszeitung Online» stellt in Zusammenarbeit mit Euler Hermes Schweiz alle Nationen vor - auch abseits von sportlichen Perspektiven. Heute: England.

Von Volker Strohm
am 29.05.2012

Grossbritannien gegen den Rest von Europa - unter diesem Titel könnten die bisherigen Bestrebungen zur Eindämmung der Eurokrise zusammengefasst werden. Allerdings haben auch die Briten selbst mit massiven Widrigkeiten zu kämpfen: Das Land befindet sich in der Rezession.

Erst 2009 war Grossbritannien aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit aufgetaucht - nun machen der britischen Wirtschaft verschiedene Sektoren zu schaffen. So brach die Bauproduktion im Vergleich zum Vorquartal in den ersten drei Monaten 2012 um fast fünf Prozent ein - der grösste Rückgang seit drei Jahren. Die Arbeitslosenrate verharrt auf einem Höchststand, ein Fünftel der Jugendlichen haben keinen Job («verlorene Generation»).

Kritiker warnen insbesondere vor den sozialen Folgen der Krise. Vor allem im Norden und Nordosten sei die Lage dramatisch. Vor diesem Hintergrund kommt dem Fussball eine wichtige Rolle zu; zumindest England hat - im Gegensatz zu Schottland, Nordirland und Wales - den Sprung an die EM-Endrunde geschafft.

Sport

Die Hiobsbotschaft kam am Pfingstwochenende: Gareth Barry vom Meister Manchester City zog sich im EM-Test gegen Norwegen eine Leistenverletzung zu und muss auf die Endrunde verzichten. Ansonsten ist im englischen Nationalteam Aufbruchstimmung angesagt: «Seine Muttersprache ist Englisch, daher ist es für ihn leichter mit uns zu reden», wird Verteidiger Jolean Lescott zitiert. Die Rede ist natürlich vom neuen Nationalcoach Roy Hodgson - auch in der Schweiz ein Altbekannter.

Hodgson löste den Italiener Fabio Capello ab, der seit 2007 im Amt war. Sein Debüt im Spiel gegen Norwegen (1:0 für England) betitelte der 64-Jährige als «wunderbar». Das Mutterland des Fussballs rennt seit 1966 (Weltmeister) einem Titelgewinn an internationalen Turnieren hinterher. Auch 2012 gehört das Team nicht zum engeren Favoritenkreis - immerhin gelang nach der verpassten Qualifikation 2008 wieder der Sprung an die Endrunde.

Marktwert

Der wirtschaftliche Überflieger im englischen Nationalteam ist Wayne Rooney: Satte 86,5 Millionen Franken beträgt gemäss «Transfermarkt.ch» sein Marktwert. Dahinter nehmen sich die Beträge für Ashley Young (33,5 Millionen Franken), John Terry (32) und Jack Wilshere (29,5) geradezu bescheiden aus.

Das gesamte Team bringt es auf einen Marktwert von 740 Millionen Franken.

Wirtschaft

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ging in Grossbritannien im 4. Quartal 2011 um 0,3 Prozent gegenüber dem vorherigen Quartal zurück und bescherte dem Land 2011 ein durchschnittliches Jahreswachstum von 0,7 Prozent. Damit lag es deutlich unter den +2,7 Prozent von 2010.

Die Korrekturen nach unten (um etwa 0,2 Prozentpunkte pro Quartal) zeigten ein stark schwankendes Wachstumsprofil mit positivem Wachstum in Q1 und Q3 und negativem Wachstum in Q2 und Q4, was gemäss Euler Hermes Schweiz die Bewertung der britischen Konjunktur zusätzlich erschwert.

Zwar weisen allgemeine Wirtschaftsindikatoren kurzfristig auf ein positives Wachstum hin, doch dürfte dieses eher mässig ausfallen (+0,5% im Jahr 2012 und +1,3% im Jahr 2013), da die Konjunktur mit Gegenwind aus unterschiedlichen Richtungen rechnen muss.

Im Inland sind der Abbau der Staatsschulden und Sparmassnahmen weiterhin die grössten Wachstumsbremsen und halten die Inlandsnachfrage in Grenzen. Beim Aussenhandel dürften 2012 die Aussichten auf eine schwache Nachfrage in der Eurozone die Exportkonjunktur dämpfen.

 

Die England-Spiele in Gruppe D

Montag, 11. Juni / 18.00 Uhr: Frankreich-England
Freitag, 15. Juni / 20.45 Uhr: Schweden-England
Dienstag, 19. Juni / 20.45 Uhr: England-Ukraine

 

 

«Handelszeitung Online» präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Kreditversicherer Euler Hermes Schweiz die 16 EM-Länder - für einmal nicht nur beschränkt auf den rein sportlichen Fokus. Lesen Sie am Freitag: Alle Details zu Portugal.

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